LH Hermann Schützenhöfer: Den Innovations- und Pioniergeist beibehalten!

Die Zeiten als Landesvater kann man sich nicht aussuchen. Die kommen wie sie sind. Auch ein Virus sagt selten hallo. Ein Gespräch mit dem Landeshauptmann in einer Zeit, wo wieder vorsichtig an Entspannung gedacht werden darf.

Erlaubt eine Zeit ohne viele Abendtermine eher zum Reflektieren?
Das war schon etwas ungewohnt, dass man jetzt die Abende zu Hause verbringt und nicht mehr im ganzen Land unterwegs ist. Aber Zeit zum Reflektieren habe ich mir auch sonst immer genommen.

Wann wird für Sie das unsichtbare Virus sichtbar/spürbar?
Am Anfang war das Virus aufgrund der leeren Straßen sichtbarer als heute. Aber genau das ist das Heimtückische, dass wir uns zu früh in Sicherheit wähnen. Wir dürfen uns jetzt nicht darauf verlassen, dass das Virus bekämpft ist. Es ist leider noch immer da. Aber wenn wir uns weiterhin regelmäßig die Hände waschen und die Abstände konsequent einhalten, werden wir diesen unsichtbaren Feind mit Sicherheit besiegen.

Die Sehnsucht nach „Normalität“ wird zu einem neuen Inbegriff des Landes, oder?
Das ist richtig, die Sehnsucht der Bürgerinnen und Bürger nach dem Leben, wie wir es gewohnt waren, war groß. Das ist auch völlig verständlich und menschlich, nach diesen Monaten, in denen wir Einschränkungen hinnehmen mussten.

Mittlerweile haben wir in Österreich über acht Millionen Corona-Spezialisten. Auf wen hören Sie?
Ich sage immer, ich bin weder Arzt, noch Virologe. Deshalb muss ich mich darauf verlassen, was die Expertinnen und Experten uns raten. Da muss man als Politiker immer abwägen: Welche ist die richtige Meinung? Wie soll man letztlich entscheiden? Die Bundesregierung hat offensichtlich auf die richtigen Fachleute gesetzt – das zeigen uns die guten Zahlen.

Unsere Mitbürger sind teilweise in Kurzarbeit oder arbeitslos. Wie kann man den Menschen die Existenzängste nehmen?
Wir müssen so schnell wie möglich, so viele Menschen wie möglich zurück in Beschäftigung bekommen. Hier werden wir geeignete Rahmenbedingungen setzen, damit das der heimischen Wirtschaft gemeinsam mit dem Bund und dem Land gelingt.

Gibt es in der Forschung einen steirischen Beitrag gegen die Viruserkrankung COVID-19?
Ja, hier gibt es wichtige Produkte und Innovationen aus der Steiermark, die uns vor allem im Bereich der Schutzausrüstung zukünftig vom Weltmarkt unabhängiger machen. Dazu zählen etwa Schutzschilder aus dem 3D-Drucker, Beatmungsgeräte oder Desinfektionsmittel. Großartig, was hier auch für die Zukunft gelingt! Ich bin überzeugt davon, dass wir diesen Innovations- und Pioniergeist auch nach der Krise beibehalten und auch dringend brauchen werden.

Wenn Sie vor der Wahl 2019 gewusst hätten, dass „das Virus“ kommt, hätten Sie sich das „angetan“?
Ich gebe zu, die Corona-Zeit ist eine Herausforderung. Höhen und Tiefen sind Teil des (Politiker-)Lebens. Aber auch ein Kapitän verlässt nie das Schiff, auch wenn die See noch so rau ist. Meine Großmutter hätte jedoch alle zum Teufel geschickt, die die letzten Monate (in Österreich) mit einem Krieg verglichen hätten. Wie sehen Sie das? Ich sehe das auch so und habe auch immer gesagt, dass wir derzeit zwar eine Krise aber keine Notsituation wie unsere Eltern und Großeltern das im Krieg erlebt haben. Was diese heutige Situation aber dennoch mit der Nachkriegszeit vergleichbar macht: Alle Steirerinnen und Steirer, wir alle, müssen zusammenhalten, um unser Land wieder nach vorne zu bringen und zu stärken!

Wann waren Sie das letzte Mal in einem Wirtshaus/Buschenschank?
Am vergangenen Wochenende haben meine Frau und ich uns seit langem wieder mit Freunden bei einem Buschenschank getroffen.

Wir erlebten die Zeit der Reduktion an Freizeitmöglichkeiten. Geht Ihnen etwas ab?
Ich muss gestehen, dass mir weniger die Freizeitmöglichkeiten als viel mehr mein beruflicher Alltag fehlt. Die Termine, bei denen ich im ganzen Land unterwegs bin und mich mit den Steirerinnen und Steirern unterhalten kann, das geht mir wirklich sehr ab!

Fußballspiele ohne Zuschauer, wie schaut das für Sie aus?
Ja, das ist natürlich ungewohnt. Aber das ist halt jetzt nun mal so, diese Zeit werden wir auch überstehen. Ich gebe zu, dass ich mich aber schon sehr darauf freue, wenn ich wieder ein SK Sturm Spiel im Stadion mitverfolgen kann.

Die Sport- und Kulturvereine haben Angst vor der Zukunft, gell?
Auch hier müssen wir versuchen, dass die Vereine als wichtige Sport- und Kulturträger gut aus dieser Krise kommen.

Wie läuft die Aktion „Steirerband“?
Zahlreiche Menschen sind jetzt in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Ihnen gilt es rasch zu helfen. Das Steirerband, unser weiß-grünes Freundschaftsband, soll für die Zusammengehörigkeit der Steirerinnen und Steirer stehen. Mit der Aktion konnten über 100.000 € für bedürftige Steirerinnen und Steirer eingenommen werden. Ich bedanke mich bei allen, die uns dabei unterstützt haben, für ihre Unterstützung!

Wie geht’s Ihrer Enkelin?
Danke, sehr gut. Natürlich war auch für sie diese Zeit sehr ungewohnt. Wir haben sehr viel über Video telefoniert. Vor allem hat sie aber darunter gelitten, dass sie zwischenzeitlich nicht auf den Spielplatz konnte. Da hat sie uns dann ein paar Mal gefragt, ob wir einen Schlüssel haben.

Schon eine SK Sturm Graz Maske?
Nein, die meiste Zeit hatte ich eine meiner Mund-Nasen -Schutz Masken vom steirischen Heimatwerk in Gebrauch.

Herr Landeshauptmann, 40plus dankt für das Gespräch.

Text von Martin G. Wanko

Bild: Florian Lierzer