LH H. Schützenhöfer: Wir sind Neudenker, Vordenker, Querdenker

Wer den Mut verliert, gibt sich selber auf. Das darf uns nicht passieren. Der Landeshauptmann im Gespräch, die Zeiten bleiben schwierig.


Herr Landeshauptmann, es lächelt uns der Herbst entgegen, doch das Virus ist noch immer unter uns. Bringt das schlaflose Nächte?

Ja, das Virus ist noch da – aber ich will keine Hysterie. Selbstverständlich setzen wir alle Maßnahmen, die der Bund vorgibt, um. Ich appelliere weiterhin an alle, die notwendigen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen einzuhalten. Aber vor allem der praktische Hausverstand und die Vernunft sind von uns allen gefragt. Wie sich die Zahlen im Herbst entwickeln, liegt nicht primär am Virus, es liegt an uns allen. Inwiefern sich das Coronavirus weiterverbreitet und unsere Gesundheit wie auch Wirtschaft gefährdet, hängt ganz konkret von der Disziplin jeder einzelnen Person ab.

Sofern man das planen kann, sind wir in der Steiermark für den COVID-Herbst und Winter gerüstet? (Ampel, etc.)
Die Lage in der Steiermark ist aktuell relativ stabil. Bisher konnten wir Cluster gut eindämmen. Wir sind gut aufgestellt, aber dennoch müssen wir vorsichtig und achtsam bleiben.

Etwas Anderes einmal: Glauben Sie, dass unser Gesundheitssystem effizient arbeitet? Jetzt kommen ja anstrengende Tage auf uns zu.
Wir haben in den vergangenen Monaten gesehen, dass unser Gesundheitssystem in der Steiermark auch in Ausnahmesituationen funktioniert. Mein Dank gilt allen, die in diesen Monaten mit vollem Einsatz für unsere Gesellschaft und unsere Gesundheit gearbeitet haben. Aber selbstverständlich gibt es immer Bereiche, wo man noch besser und effizienter werden kann.

Was durften Sie in den letzten Monaten lernen?
Wir sind eine innovative Region und wenn auch so eine Krise nichts Gutes hat, steckt in ihr auch immer eine Chance. Und wenn es eine Chance in der Krise gegeben hat, dann haben wir sie genutzt. Nämlich dafür zu sorgen, dass wir wesentliche Dinge – von Notfallbeatmungsgeräten bis zu Schutzhandschuhen – die man für die Bewältigung braucht, selbst erzeugen können.

Was glauben Sie lässt sich in der Zukunft besser machen?
So eine Krise hat noch niemand zuvor erlebt. Aber zukünftig müssen wir unabhängiger vom Weltmarkt werden. Wie bereits angesprochen sind wir mit unseren innovativen Unternehmen hier auf einem guten Weg und damit auch gut für die Zukunft gerüstet. Gerade jetzt ist in vielen Bereichen ein Umdenken und Neudenken gefordert. Wer wäre dazu besser geeignet als wir in der Steiermark? Wir sind das Land der Neudenker, Vordenker, Querdenker. Wir sind das Land der Innovation.

Spielberg hat ein schwieriges Los. Corona bedingt bleiben die Ring Aktivitäten reduziert, jetzt sind die Wolken über ATB Spielberg mehr als nur dunkel.
Corona ist die größte Bewährungsprobe für Wirtschaft und Arbeitsmarkt, die es in den letzten Jahrzehnten gegeben hat. Die Corona Pandemie hat sich von einer Gesundheitskrise zu einer Wirtschaftskrise entwickelt, die uns noch länger vor Herausforderungen stellen wird. Trotz der zahlreichen Unterstützungsleistungen seitens des Bundes und des Landes, gibt es leider Unternehmen, die der Krise zum Opfer fallen. Insgesamt müssen wir jetzt alles tun, damit die Wirtschaft wieder in Schwung kommt. Die öffentliche Hand muss Vorreiter sein. Wir brauchen jetzt Zuversicht und Entschlossenheit, damit wir möglichst viele Unternehmen und damit Arbeits- plätze sichern.

Aber es gibt auch Positives zu berichten. Die Sommertouristen haben die Steiermark nicht im Stich gelassen – wird sich dieser Erfolg im Winter fortsetzen lassen?
Ja, das ist richtig. Ein erster ermutigender Lichtblick kommt aus dem Tourismus: Erstmals seit Beginn der Corona-Krise konnte ein Plus bei den Nächtigungen gegenüber dem Vorjahresmonat erzielt werden. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 2,1 Prozent auf 1.597.130, jene der Gäste lag mit 470.800 stabil im Vergleich zum Juli 2019. Wir werden auch im Winter alles dafür tun, damit die Steiermark ein Urlaubsziel bleibt, in dem sich alle sicher fühlen können. Deshalb bin ich optimistisch, dass wir auch in der Wintersaison wieder viele Gäste bei uns begrüßen können.

LH Peter Kaiser in Kärnten meint, kein Après-Ski in der Hütte, sondern im Freien. Gibt es hier auch in der Steiermark Konzepte?
Der Schutz der Gesundheit der Steirerinnen und Steirer, aber auch unserer Gäste, hat höchste Priorität. Es wurden bereits bundeseinheitliche Standards und Maßnahmen angekündigt, die wir selbstverständlich umsetzen werden.

Ein wesentlicher Punkt scheint der Plan der zu sein, dass, sofern es die Zahlen zulassen, die Geschäfte für die Weihnachtszeit geöffnet bleiben, oder?
Unser gemeinsames Ziel ist es, mit aller Kraft einen zweiten Lockdown zu verhindern. Ob oder welche Maßnahmen in den nächsten Wochen notwendig sind, können wir heute noch nicht sagen.

Zum Abschluss etwas Gutes: Mit dem Sommertourismus in der Steiermark ging es auch mit den Winzern wieder bergauf. Neben der wirtschaftlichen Dimension (5000 HA/ 25. Mill. l Wein) sei auch das Kulturgut Wein & Landschaft nicht zu verachten, oder?
Gerade bei uns in der Steiermark – als Tourismusland, Kulturland, Weinland, Genussland haben wir Kultur in der Seele – und Genuss im Blut! Die steirische Lebensfreude darf uns auch in herausfordernden Zeiten nicht verloren gehen. Dafür und für die steirische Gastfreundschaft sind wir weiter über die Grenzen hinweg bekannt.

Herr Landeshauptmann, 40plus dankt für das Gespräch.

Das Interview führte Martin G. Wanko