Gemma Fleischweihe?

Gemma Fleischweihe? Ostertalk.

Moderation: Martin G. Wanko

Ostern: Im Wandel zwischen Tradition und Moderne. Das Brauchtum löst sich teilweise von der kirchlichen Bindung. Gleichzeitig bedeutet Ostern für viele, besonders in unsicheren Zeiten, eine Erneuerung und Stärkung des Glaubens sowie ihrer Grundsätze. Die Traditionspflege ist auf dem Land oft stärker ausgeprägt als in der Stadt. Darüber hinaus ist Ostern ein millionenschweres Geschäft. 40plus fragt nach.

Wie viele Messen bzw. Gottesdienste besuchen Sie in der Osterzeit? Zur Auswahl stehen: Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Osternacht, Ostermontag.

Wilhelm Krautwaschl: Ich gehe nicht nur hin, sondern ich feiere alle mit; heuer in der Stadtkirche Leoben. Dazu kommt noch die Chrisam-Messe am Mittwoch in der Karwoche im Grazer Dom.

Gregor Seberg: Alle. Es sei denn, es geht sich zeitlich nicht aus. Dann nicht alle. Also zumeist schaffe ich keinen Termin.

Frido Hütter: Zu keiner.

Josef Wurm: 0.

Thomas Spann: Palmsonntag und Osternacht stehen für mich Jahr für Jahr auf dem Programm.

Claudia Unger: Am Palmsonntag und in der Osternacht war ich meistens in der Kirche, die Fleischweihe am Karsamstag ist nach wie vor ein Fixpunkt. Besonders schön ist es auch ab und zu diese Feiertage in anderen Ländern zu erleben, weil trotz sprachlicher Schwierigkeiten die Liturgie ermöglicht, alles zu verstehen und zugleich andere Bräuche zu erleben. Da hat man als ehemaliges Mitglied der katholischen Jugend einen internationalen Orientierungsvorteil.

Schauen Sie sich z. B. die Osterweihe in der Kirche, im Stream bzw. TV oder gar nicht an?

Wilhelm Krautwaschl: Ich nehme an, es ist von der Osterspeisensegnung die Rede. Auch diese feiere ich selbst mit vielen Menschen, die ihre Osterjause segnen wollen; heuer in der Wallfahrtskirche Judendorf-Straßengel. Die Speisensegnung wird wieder auf ORF2 zu sehen sein.

Gregor Seberg: Seit Karol Wojtylasein unnachahmliches „in espressione tedesco“ nicht mehr sagt, nicht mehr.

Frido Hütter: Gar nicht, ich bin Agnostiker.

Josef Wurm: Nein.

Thomas Spann: Live bei der Kapelle in Raabau/Feldbach.

Claudia Unger: Für mich haben christliche Feiern sehr viel mit Gemeinschaft zu tun, deshalb wenn, dann live, wobei es ja nicht ums „Anschauen“ geht. Im besten Fall ist man ja von den Inhalten, den Ritualen und der Musik berührt und nicht passive Zuschauerin. Das setzt natürlich voraus, dass man sich dafür interessiert, was das Ganze eigentlich ist, sonst ist das Erlebnis ohne Kontextualisierung im besten Fall eine Aufführung. Zur Gemeinschaft gehört für mich auch eine kirchliche Beheimatung, die bei mir persönlich schwindet. Das ist durchaus schmerzlich, besonders zu solchen Anlässen.

Feiern Sie die Auferstehung Christi und wie geht das eigentlich?

Wilhelm Krautwaschl: Natürlich. Aus christlicher Sicht ist das vergleichsweise einfach, denn die Kirche hat dafür eine Feier mit einem festgelegten Ablauf. Die Feier findet in der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag statt. Wir feiern die Auferstehung mit dem Licht (Osterkerze), mit mehreren Lesungen aus der Bibel (heuer mit der Auferstehung aus dem Matthäus-Evangelium als Höhepunkt), in der Taufe bzw. der Tauferneuerung und in der heiligen Messe – und das alles in einer Feier.

Gregor Seberg: Auch bei Zombie-Filmen denke ich mir: ja, aber in echt gibt es das nicht.

Frido Hütter: Nein.

Josef Wurm: Hm.

Thomas Spann: Ja – neben der Messe: Osterfeuer plus kunstvolle bis riesige Lichtinstallationen auf den südoststeirischen Osterkreuzen.

Claudia Unger: Das ist ja der Kern der Osterwoche, der Grund zu feiern. Ich finde schon, dass man sich die Frage stellen muss, wie man die Auferstehung so übersetzt, dass sie zeitgemäß verstanden werden kann und ein Impuls ist. Gefeiert wird nicht immer gleich, das hängt ja von vielen Umständen ab und besteht auch ganz wesentlich aus einem sozialen Teil. Für mich ist wichtig, dass die Familie zusammen ist und es den Striezel meiner Mutter gibt. Dann passt der Rest auch. Am schönsten finde ich Ostertage am Land, da scheint es mir noch ein selbstverständlicheres Element im Jahreskreis zu sein, das finde ich beneidenswert.

Claudia Unger, Stadträtin: Gefeiert wird nicht immer gleich, das hängt ja von vielen Umständen ab und besteht auch ganz wesentlich aus einem sozialen Teil. Für mich ist wichtig, dass die Familie zusammen ist und es den Striezel meiner Mutter gibt. Dann passt der Rest auch.
Thomas Spann, WKO Generalsekretär Stellvertreter: Mir ist das gelebte Brauchtum wichtig – es verankert mich persönlich.
Gregor Seberg, Schauspieler: Aber Ostern ist in unserer Gesellschaft nicht so aufgeladen mit Erwartungen an die eigene familiäre Glückseligkeit. Zu Ostern ist man mit einem Badeschlapfen schon im Freibad, vielleicht ist uns da vieles einfach wurschter.

Fasten Sie noch? Wenn „ja“, traditionell oder modern? Wie funktioniert modernes Fasten?

Wilhelm Krautwaschl: „Fasten“ bedeutet im Wortsinn „sich festmachen“. Ich möchte mich ganz bewusst im Glauben vertiefen – und daher geht es beim Fasten um Besinnung, also um das Nachdenken darüber, was gut ist und was weniger, was Sinn macht, was uns weiterbringt als Familie, als Freunde, als Gesellschaft.

Gregor Seberg: Ich mache Intervallfasten, bestimme die Intervalle jedoch selbst jeden Tag neu. Nur ein kurzer Intervall ist ein guter Intervall.

Frido Hütter: Fasten? Verzicht auf Hyperkommunikation, materiell etwas teilen, mit jemandem Stille erleben, maximale Liebenswürdigkeit. Aber ich bin erst dabei, das alles wirklich umzusetzen.

Josef Wurm: Hab letztes Jahr unabsichtlich einen Grünspecht überfahren, zur Buße war ich vier Monate vegan. Drei Jahre zuvor überfuhr ich ebenfalls unabsichtlich ein Huhn, sechs Monate vegetarisch.

Thomas Spann: Traditionell – zumindest unternehme ich den ernsthaften Versuch auf Alkohol zu verzichten.

Claudia Unger: Ich faste leider grundsätzlich zu wenig, dabei ist die Idee der freiwilligen Selbstdisziplin körperlich und spirituell richtig und wichtig. Ich bin also zu undiszipliniert, allerdings an den strengen Fasttagen jedes Jahr dabei.

Moderne Formen, wie Verzicht auf gewisse Genussmittel, mache ich immer wieder, auch mit Bezug zu den Fastenzeiten vor Ostern und Weihnachten, aber das ist eindeutig ausbaufähig.

Muss man Katholisch oder Evangelisch sein, um christlich Ostern zu feiern?

Wilhelm Krautwaschl: Die Feier der Auferstehung Jesu zu Ostern ist wesentlicher Teil unseres Glaubensbekenntnisses, das alle Christen verbindet: Katholiken, Evangelische, Orthodoxe, Freikirchliche … Bei unseren Feiern sind natürlich alle willkommen, auch jene, die den Glauben noch suchen.

Gregor Seberg: Orthodox geht auch.

Frido Hütter: Vermutlich.

Josef Wurm: Keine Ahnung, wir feiern wegen der Kinder.

Thomas Spann: Alle Wege führen nach Rom.

Claudia Unger: Es ist grundsätzlich hilfreich, wenn man weiß, warum man etwas feiert, sonst verliert sich ja jedes Fest irgendwann in der Beliebigkeit. Ich finde es wichtig, dass christliche Feste mehr sind als gemeinsam essen. Gemeinsam feiern benötigt allerdings nicht die religiöse Überzeugung aller, denn ein Fest lebt ja auch von Gemütlichkeit und Freude, aber ich persönlich möchte, dass Ostern mehr ist als nur ein paar freie Tage.

Ostern, ein Fest der Hoffnung, Versöhnung, Erneuerung. Stimmt das noch?

Wilhelm Krautwaschl: Unbedingt. Vor allem ist es ein Fest der Hoffnung. Jesus überwindet den Tod, der Tod ist nicht das Ende des Lebens, sondern nur des Sterbens. Da mit dem Sterben die Dimensionen von Raum und Zeit wegfallen, leben wir dann mit Gott von Angesicht zu Angesicht.

Gregor Seberg: Nur Erneuerung. Die Supermärkte wickeln Weihnachtsmannfolie um die Hasen.

Frido Hütter: Leider nicht.

Josef Wurm: Möglich, oder ein Fest des Selchfleisches, des Krens und der Eier.

Thomas Spann: Jedenfalls! Für mich persönlich ist Ostern das Fest der Hoffnung.

Claudia Unger: Grundsätzlich ja, das ist dem Inhalt nach grundgelegt. Manchmal scheint mir, dass wir zu wenig Umgang mit religiösen oder spirituellen Inhalten haben, um mehr als die Worte zu verstehen. Manchmal wird einem das schlagartig klar: Bei einem Aufenthalt in Kairo habe ich einmal einen Ostergottesdienst einer koptischen Gemeinde miterlebt. Das war ein Jahr nach dem Arabischen Frühling, man ging durch einen Metalldetektor in die Kirche, davor standen Sicherheitsleute. Dort hatten die Menschen wohl eine andere Auffassung von Ostern als Fest der Hoffnung und der Versöhnung.

Ostern feiern ohne Auferstehung geht laut Recherche so: „Unabhängig des Glaubens ist Ostern auch eine Zeit des Frühlings, der Familie und des Neubeginns.“ Ist das nun ein Ersatz für ein christliches Ostern, oder steckt hier bereits genug christliche Symbolik darin?

Wilhelm Krautwaschl: Ostern kann man ohne Auferstehung nicht feiern, denn Ostern ist getragen vom Sterben und Auferstehung Jesu. Nur darum geht es im Osterfest.

Gregor Seberg: Das haben die Christen gut gemacht, dass die Auferstehung zeitgleich mit dem Frühling stattfindet. Christliche Symbolik steckt auch in „Frühjahrsabverkauf für Dich“.

Frido Hütter: Na ja, das dreht sich eher um psycho-physische Wellness als um spirituelle Vertiefung.

Josef Wurm: Keine Ahnung, wir feiern wegen der Kinder.

Claudia Unger: Mir scheint zumindest, dass es eine unvollständige Beschreibung ist. Es ist ein Fest der Familie im Frühling, wo zahlreiche Bräuche gepflegt werden, die mit Neubeginn, Hoffnung et cetera zu tun haben. Ja. Aber es ist eben auch und vor allem ein christliches Fest, das wir nicht der nur scheinbar inklusiven Indifferenz überlassen sollten. So wie zu Weihnachten manche nur mehr Season greetings verschicken, um niemanden mit dem eigentlichen Anlass zu belästigen, dienen meines Erachtens auch diese halbgaren Osterdefinitionen niemandem. Lieber die Feste aller Religionen, die in den selben Zeitraum fallen, nennen und wertschätzen.

Stark verankert scheint das Brauchtum zu sein. Zum einen Eierfärben, Basteln und Osterfeuer machen, zum anderen Palmbuschen, Weihfeuer tragen und Fleischweihe. Ein gewisser Eventcharakter haftet diesem schon an. Ist der schädlich, oder sorgt dieser weiterhin für eine Verankerung?

Frido Hütter: Wir färben Eier mit den Enkelkindern und klären sie auf, warum Ostern gefeiert wird.

Thomas Spann: Mir ist das gelebte Brauchtum wichtig – es verankert mich persönlich.

Claudia Unger: Auf keinen Fall schädlich, das ist ja ein wichtiger Teil der Osterzeit, der noch dazu sehr schön, genussvoll und auch ein Erlebnis ist. Übrigens ist es sehr interessant, der Herkunft und Bedeutung verschiedener Bräuche auf den Grund zu gehen, da dies ja oft mit der jeweiligen Region, Volksglauben und Tradition zu tun hat. Das sollte man sich bisweilen vor Augen führen, wenn man vom österlichen Panettone schwärmt, bei uns ist das eine Modeerscheinung, in Italien ist die Colomba Pasquale symbolisch aufgeladen.

Frido Hütter, Kulturredakteur: Fasten? Verzicht auf Hyperkommunikation, materiell etwas teilen, mit jemandem Stille erleben, maximale Liebenswürdigkeit, aber ich bin erst dabei, das alles wirklich umzusetzen.
Wilhelm Krautwaschl, Bischof: Vor allem ist es ein Fest der Hoffnung. Jesus überwindet den Tod, der Tod ist nicht das Ende des Lebens, sondern nur des Sterbens. Da mit dem Sterben die Dimensionen von Raum und Zeit wegfallen, leben wir dann mit Gott von Angesicht zu Angesicht.
Josef Wurm, Künstler: Hab letztes Jahr unabsichtlich einen Grünspecht überfahren, zur Buße war ich vier Monate vegan. Drei Jahre zuvor überfuhr ich ebenfalls unabsichtlich ein Huhn, sechs Monate vegetarisch.

Dekorieren Sie zu Ostern Ihr Zuhause oder nicht?

Wilhelm Krautwaschl: Es gibt Palmzweige, die gehören zu Ostern. Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag, an dem viele Menschen gerne gesegnete Palmzweige für einen Osterstrauß mit nach Hause nehmen.

Gregor Seberg: Ja. Aber es kann sein, dass auch Duffy Duck aus einem Osternestchen schaut. Warum ist Gustav Gans eigentlich eine Ente?

Frido Hütter: Ja, mit Palmkätzchen und Blumen.

Josef Wurm: Wir lassen das ganze Jahr die Faschingsdeko hängen, die passt immer.

Thomas Spann: Ja, unbedingt!

Claudia Unger: Ja, ich habe einen Osterbaum, der vor allem von den Kunstwerken meiner Cousine lebt, die die unglaublichsten Sachen bastelt. Sonst hängen ganz alte Eier am Baum, die ich als Kind mit meinen Schwestern fabriziert habe, die eindringlichste Erinnerung sind unsere knallroten Köpfe beim Ausblasen der Eier.

Der Leidensweg von Jesus oder „Das Leben des Brian“, was ist für Sie vorrangig?

Wilhelm Krautwaschl: Die Geschichte Jesu.

Gregor Seberg: Brian.

Frido Hütter: Weder noch. Ein gemarterter Mensch taugt nicht für eine (wenn auch noch so gelungene) Satire.

Josef Wurm: Ohne ersteres gäbe es diesen wichtigen Film nicht.

Thomas Spann: Sicher nicht der Brian!

Claudia Unger: Dies ist ein Beispiel für Unvergleichbarkeit des vermeintlich Vergleichbaren.

Weihnachtskomödien gibt es zu Hauf, bei Ostern klemmt das ein bisschen, warum?

Wilhelm Krautwaschl: Diesen Eindruck habe ich nicht. Immer wieder gibt es – etwa in den Passionsspielen an verschiedenen Orten – auch bei uns das Nachspielen des Leidens, Sterbens und Auferstehens Jesu. Das ist allerdings keine Komödie.

Gregor Seberg: Das sollte man ändern. Aber Ostern ist in unserer Gesellschaft nicht so aufgeladen mit Erwartungen an die eigene familiäre Glückseligkeit. Zu Ostern ist man mit einem Badeschlapfen schon im Freibad, vielleicht ist uns da vieles einfach wurschter.

Frido Hütter: Weil Christkind und Weihnachtsmann bessere Vorgaben bieten als ein Hase.

Thomas Spann: Da habt ihr eine Produktionslücke aufgezeigt – ich gehe davon aus, dass Hollywood mitliest.

Claudia Unger: Vermutlich ist die inhaltliche Anbindung ans jeweilige Thema unterschiedlich einfach, vielleicht schauen die Menschen, wenn’s Frühling wird, weniger fern. Die Frage ist, ist das überhaupt wichtig?

Viele finden es entspannend, dass Ostern nicht die Geschenklawine entwickelt, wie Weihnachten. € 100,- für Geschenke, € 59,- pro Mann/Frau für Essen ist aber auch nicht ohne, oder? (Für den stationären Handel ist es das zweitwichtigste Geschäft nach Weihnachten. / Über 270 Mio. Euro. (Statistik: Handelsverband mit dem Marktforschungsinstitut Reppublika 2025).

Wilhelm Krautwaschl: Wer gerne etwas schenken möchte, soll das ruhigen Gewissens machen. Im christlichen Sinn ist das größte Geschenk die Auferstehung Jesu und die Hoffnung auf ein tolles, ewiges Leben bei Gott. Mehr braucht es nicht.

Frido Hütter: Gratulation an den Handel.

Thomas Spann: Persönliche Geschenke haben für mich eh immer Saison – Ostern passt daher perfekt!

Claudia Unger: Anscheinend holt Ostern diesbezüglich auf, für den Handel und viele Unternehmen ist das eine wichtige Zeit im Jahr. In meiner Familie gibt es traditionell nur Schokohasen und vor allem selbstgefärbte Eier mit unseren Namen drauf. Die werden versteckt, gemeinsam gesucht und nach dem Eierpecken verspeist.

40plus bedankt sich für die Gespräche!

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