Moderation: Julia Strempfl
In Zeiten des Ukraine-Russland-Konflikts, Nahost-Krise sowie zunehmender geopolitischer Spannungen wird deutlich, wie verletzlich internationale Abhängigkeiten sind. Umso mehr stellt sich die Frage: Wie sichern wir unsere Unabhängigkeit? Ein großer Schritt in diese Richtung gelingt mit den erneuerbaren Energieträgern Pellets – heimisch, krisensicher und zukunftsweisend.
Als gänzlich heimisches Produkt machen die kleinen Heizhelden Österreich resilienter gegenüber globalen Krisen und stärken zugleich Wertschöpfung und Versorgungssicherheit im eigenen Land. Die 40plus-Redaktion hat ExpertInnen aus der Branche zum Interview gebeten.
Mag. a Doris Stiksl ist Geschäftsführerin von proPellets Austria, dem Branchenverband der österreichischen Pelletwirtschaft, der sich vor allem dafür einsetzt, fossile Energieträger durch erneuerbare Energie zu ersetzen.
Frau Mag. a Doris Stiksl, die kleinen „Heizhelden“ der nachhaltigen Biomasse haben bisher in Österreich eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich die Produktion mehr als verdoppelt. Wie sehen Sie die Versorgungssicherheit langfristig? Könnte die steigende Nachfrage Herausforderungen für die Eigenversorgung mit sich bringen?

„In Österreich gibt es mittlerweile rund 55 Produktionsstätten und es wird deutlich mehr produziert, als im eigenen Land benötigt wird. Der heimische Bedarf liegt bei etwa 1,5 Millionen Tonnen, während die Produktion über 2 Millionen Tonnen beträgt – die Kapazitäten sind noch höher. Österreich ist ein Waldland. Es ist das Gebot der Stunde, den Wald nachhaltig zu bewirtschaften und Holz stofflich zu nutzen. Je mehr Holzprodukte wir verwenden, desto besser fürs Klima und die heimische Wirtschaft – und aus dem, was beim Holzschnitt anfällt, damit ersetzen wir Öl und Gas und machen uns ein Stück unabhängiger.“
Doris Stiksl
Welche Rolle spielen Pellets nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die heimische Wirtschaft?
Stiksl: Von der Verarbeitung des Rohstoffs über Holzspäne und Sägemehl bis hin zur Herstellung der Pellets selbst werden zahlreiche Arbeitsplätze in Österreich gesichert. In der Pelletwertschöpfungskette sind über 28.000 Personen beschäftigt. Zählt man auch die Installateure hinzu, sind es über 55.000 gesicherte Arbeitsplätze.
Sie sprechen von Österreichs Pionierarbeit in Sachen Pellets. In welcher Hinsicht ist das gelungen – und worin unterscheiden sich die österreichischen Qualitätsstandards im Vergleich zu anderen Ländern?
Stiksl: Abgesehen von der starken heimischen Wertschöpfungskette hat sich der österreichische Pelletmarkt auch fest im europäischen Warenverkehr etabliert. Besonders in Nachbarländern wie Italien sind unsere Pellets „the most wanted“. Das liegt vor allem an den hohen Qualitätsstandards des ENplus-Qualitätszertifizierungssystems. Entscheidende Kriterien sind unter anderem ein niedriger Staubanteil, geringe Ruß- und Ascherückstände sowie ein hoher Brennwirkungsgrad.

Der Frage nach der klimafreundlichsten Heizlösung ist auch die Landesinnung der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker Steiermark im Rahmen einer Pilotstudie auf den Grund gegangen. Untersucht wurde der CO2-Fußabdruck verschiedener Heizsysteme über den gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Produktion über den laufenden Betrieb bis hin zur Entsorgung. Mit einem Einsparpotenzial von 91,1 % sind Pelletheizungen als klarer Spitzenreiter hervorgegangen.
Ing. Anton Berger, Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker*innen, legt in seiner Arbeit besonderen Wert auf nachhaltige Heizlösungen und zukunftsweisende Perspektiven – auch für den Nachwuchs in der Branche.
Herr Ing. Berger, spiegelt das Ergebnis der Studie Ihre tägliche Erfahrung in der Praxis als Installateur wider – insbesondere bei der Empfehlung von Pelletheizungen?
Anton Berger: Die Studie und das daraus hervorgerufene Ergebnis beschreibt die CO2-Emissionen und stellt auch anderen Systemen, wie Wärmepumpe, ein sehr gutes Zeugnis aus. Das Ergebnis stärkt unsere Motivation zur CO2- Reduktion und stellt uns als Installateure als wichtigster Partner zur Klimaneutralität dar. Mit den geringsten Aufwänden erzielen wir mit unserer Arbeit den größten Erfolg. Das kann sich ja sehen lassen, oder?
Inwiefern verändern solche Studienergebnisse das Berufsbild des Installateurs – und machen nachhaltige Heizsysteme den Beruf auch für den Nachwuchs attraktiver?

“Unser Job stellt eine sehr sinnstiftende und nachhaltige Tätigkeit dar, er ist krisensicher und hat immense Chancen im Zuge der Energietransformation. Jede Tonne CO2 die eingespart wird, ist ökologisch eine gute. Wichtig ist, dass dies auch ökonomisch funktioniert. Es braucht gute Fachkräfte und diese kommen dann, wenn das Berufsbild attraktiv ist. Es braucht gute Produkte seitens der Industrie und die haben wir – und es braucht Rahmenbedingungen seitens der Politik, die Planungssicherheit schaffen – etwa durch gezielte Förderungen. Jeder Euro in erneuerbare Energie rechnet sich ein zig-faches für den Staatshaushalt, unabhängig von den dadurch gesicherten Arbeitsplätzen und der Wertschöpfung im Lande.”
Anton Berger
Als Fachkraft kennen Sie die unterschiedlichsten Heizsysteme. Sie haben betont, dass Pellets insbesondere in der Gebäudesanierung Vorteile bieten. Warum?
Berger: Der entscheidende Vorteil ist, dass für Pelletsheizungen die Vorlauftemperaturen des Heizungssystems nahezu irrelevant sind, was die Effizienz der Wärmeerzeugung betrifft. Wenn es darum geht, fossile Energieträger durch erneuerbare zu ersetzen, gibt es meiner Meinung nach kaum eine vergleichbare Lösung wie Pellets.
Wie steht es um Neubauten, die oftmals keinen Keller mehr haben. Welche Pelletheizsysteme eignen sich unter diesen Voraussetzungen besonders gut?
Berger: Kein Keller stellt kein Hindernis für Pelletheizsysteme dar: Diese lassen sich auch in einem Erdtank sehr gut lagern – die Industrie bietet hier Top-Produkte.
proPellets Austria
Netzwerk zur Förderung der Verbreitung von Pelletsheizungen
Franz-Josefs-Kai 13/5, 1010 Wien
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