Rund um die Welt.

von Clarissa Berner

Der Frühling erwacht: Die ersten Knospen sprießen, die Tage werden heller und der trübe Winterblues gehört der Vergangenheit an. Aber was gehört auch zu einem typischen österreichischen Frühling? Natürlich: Die ersten Spritzer im Gastgarten. Das stimmt schon, aber ich will auf etwas anderes hinaus: Ostern.

Ostern ist für mich ein typisch österreichisches Fest, dabei wird es so gut wie auf der ganzen Welt gefeiert. In Schweden ähnelt Ostern Halloween. Am Gründonnerstag soll die Osterhexe Påskkärring auf den Hexenberg Blåkulla fliegen. So verkleiden sich die schwedischen Kinder als Hexen und gehen mit einer leeren Kaffeekanne in der Hand von Tür zu Tür und tauschen selbst geschriebene Briefe gegen Süßigkeiten. Auch die Dänen schreiben zu Ostern Briefe – dort heißen sie „Narren-“ oder „Geheimbriefe“. Der Empfänger muss nun erraten, von wem er das verzierte Kunstwerk erhalten hat – schafft er es, bekommt er ein Osterei, misslingt es ihm, ist er dem Absender ein Schokoladenei schuldig. Die Finnen hingegen sind sehr makaber: Am Palmsonntag werden Hiebe mit einer Birkenrute an Freunde und Familie verteilt und am Ostersonntag ziehen Kinder durch die Straßen und vertreiben die bösen Wintergeister mit Trommeln, Dosen und Lärm. Was an unsere Perchten erinnert, soll in Finnland Glück für das neue Jahr bringen. In Frankreich bleibt es wie bei uns still: Von Gründonnerstag bis Karsamstag läuten die Kirchenglocken nicht, denn sie reisen an diesen Tagen nach Rom, um den Papst zu besuchen. Am Ostersonntag kehren sie von ihrer Reise zurück und bringen Ostereier und Süßigkeiten als Souvenir zurück. So wie wir die Italiener kennen, wird auch zu Ostern Kulinarik groß geschrieben: Am Ostermontag sitzen die Südländer mit Osterlamm, Reiskuchen und Colomba zusammen mit der Familie bei einem Picknick im Grünen oder am Strand. Engländer tätscheln ihre Liebsten mit Weidenkätzchenzweigen und verteilen Glückwünsche. Und in Irland findet das symbolische Heringsbegräbnis statt. So wird die Fastenzeit beendet. Verstärkt wird das durch traditionelle Tanzwettbewerbe auf Irlands Straßen.

Und wie sieht es bei uns aus? Auch wir haben unsere Brauchtümer: Neben Ratschen, die von Gründonnerstag bis Karsamstag als „Glockenersatz“ laut wirbeln und die bösen Geister vertreiben sollen, Osterfeuer, brennende Osterkreuze, auch bekannt als „Kreuzhoaz’n“ und der Schwammweihe ist der geläufigste Brauch, ob gläubig oder nicht, tatsächlich die traditionelle Fleischweihe in der Kirche – oder auch die Bier-Kisten-Weihe.  Trotzdem: Ostern ist definitiv entspannter und weniger künstlich aufgeladen als Weihnachten und Adventszeit. Ostern ist ein sehr individuelles Fest – jeder feiert Ostern irgendwie anders. Das, was aber die meisten machen, ist eine Osterjause gemeinsam mit Familie und Freunden. Natürlich würde ich gerne als Hexe verkleidet Süßigkeiten sammeln, österliche Hiebe sind mir eher suspekt, aber auch am Meer bei italienischen Köstlichkeiten ist es sicherlich schön und irische Tanzwettbewerbe haben bestimmt seinen Scharm, aber in Wahrheit gibt es für mich nichts schöneres, als während der Osterfeiertage eine schöne Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Deshalb mag ich Ostern. Und natürlich darf der anschließende Spritzer im Gastgarten nicht fehlen.

0 replies on “Rund um die Welt.”