Mal liest sie mehr, mal weniger. Doch Bücher begleiten unsere 40plus Autorin Clarissa Berner schon ihr ganzes Leben.
Ich liebe Bücher. Als Kleinkind war es für mich das Größte, nach einem Einkaufssamstag mit einem „Lustigen Taschenbuch“ nach Hause zu kommen. Eine weitere prägende Erinnerung führt mich zurück in meine Volksschulzeit: Harry Potter. Vier Uhr in der Früh. Die Stadt schläft, draußen ist es noch dunkel. Nur eine Buchhandlung hat zu dieser ungewöhnlichen Uhrzeit geöffnet – schließlich ist gerade der neue Harry-Potter-Band erschienen. Um das Erlebnis möglichst besonders zu gestalten, gibt es sogar ofenfrisches Gebäck und Heißgetränke. Und natürlich bin ich eine der Ersten, die die deutsche Erstübersetzung in den Händen halten.
Die Haptik des Buches
Obwohl sich während der Pubertät mein Lesekonsum reduzierte, drehte sich während meiner Uni-Zeit der Spieß: Von soziologischer Fachliteratur über historische Werke bis hin zu Coming-of-Age-Romanen war alles dabei. Mein Bücherregal quoll aus allen Nähten. Bücher stapelten sich auf allen freien Flächen, die sich in meinem Zimmer boten. Uff, das hat ausgesehen!
Abhilfe hätte ein E-Book-Reader schaffen können. Doch nie stand ein solches Gerät zur Debatte. Natürlich haben E-Book-Reader jede Menge Vorteile. Man ist von keinem Licht abhängig, die Schriftgröße lässt sich im Handumdrehen verstellen und der Bibliothek sind keine Grenzen gesetzt – solange natürlich genug Speicher zur Verfügung steht. Aber etwas Entscheidendes fehlt: die Haptik des Buches. Es gibt nichts Schöneres als den Geruch frisch gedruckter Seiten. Jedes gelesene Buch hat auch eine persönliche Geschichte, nämlich die des Lesers. Dort ein Kaffeefleck, hier ein Eselsohr. Und hält man das gelesene Buch Jahre später wieder in den Händen, denkt man an die Zeit zurück, als man es gelesen hat. Ein E-Book-Reader kann diese Gefühle nicht ersetzen. Dazu ist nach wie vor das Gefühl, eine Buchhandlung zu besuchen, unersetzlich. Man kommt in eine eigene Welt.

Lesen Sie mit mir!
Genug von mir. In Wahrheit lesen wir alle viel zu wenig! Die letzten Sommertage sind angebrochen. Das wäre doch Anlass genug, die lauwarmen Stunden mit einem Buch zu genießen. Zwei Bücher kann ich Ihnen empfehlen.
Helmut Kraussers „Wer hat uns je geliebt?“ ist mehr als nur ein Kriminalroman. Ein Toter in der Berliner Kneipe „Belmont“ ist der Ausgangspunkt Augenzeugen berichten, sein Kopf sei explodiert, während er mit dem Stammgast Enki Backgammon spielte. Kriminalhauptkommissarin Lucia Lill übernimmt die Vernehmung des Stammgasts, doch diese verläuft mehr als eigenartig. Der Fall lässt Lucia keine Ruhe: Wie konnte Werners Kopf explodieren? Und wer steckt wirklich hinter Enki? Auf eigene Initiative beschließt sie, Enki ausfindig zu machen und zu observieren. Bis zum Schluss bleibt unklar, ob die mysteriösen Geschehnisse realen Ursprungs sind oder ob doch eine höhere Macht ihre Finger im Spiel hat. Voller Überraschungen, packend, rätselhaft und unglaublich humorvoll.
In Frank Goosens Roman “Lovely Rita” beschäftigt sich der Autor mit der sterbenden Kneipenkultur im Ruhrgebiet. In den kommenden Tagen sollen die Zapfhähne der Bar “Haus Himmelreich” zum letzten Mal betätigt werden. Durch den Roman führt ein Journalist – sein Name wird nie erwähnt. Der Journalist schreibt einen Artikel über die letzten Tage der Kneipe. So besucht er für seine Recherche das “Haus Himmelreich”. “Lovely Rita“ ist ein liebevoller und humorvoller, zugleich aber auch ergreifender Roman. Doch es ist nicht nur eine Geschichte über die sterbende Kneipenkultur, sondern auch über starke Frauen und ein Leben, das nicht immer so verläuft, wie man es plant.
Viel Spaß beim Lesen!
Clarissa Berner
Alle Fotos: (c) Clarissa Berner.
