Die steirische KI-Landschaft zeichnet sich durch eine enge Verzahnung von Spitzenforschung und traditioneller Industrie aus. Die KI hat hier längst Fuß gefasst. 40plus-Redakteur, Martin G. Wanko, hörte sich um.
Ein wesentlicher Fokus der Industrie liegt auf der “Predictive Maintenance”, bei der KI zur vorausschauenden Instandhaltung genutzt wird. Durch die Auswertung von Maschinendaten innerhalb von Millisekunden lassen sich teure Stillstände in der Produktion sowie Anlagenausfälle verhindern. Beispielsweise ist diese Technologie bei voestalpine Railway Systems bereits fester Bestandteil des Portfolios, wie im Blog des Konzerns hervorgehoben wird: “Mit hoher Treffsicherheit kann so die einwandfreie Funktion dieses wichtigen Systembestandteils abgesichert bzw. vorausschauend seine Wartung in Gang gesetzt werden”, so das Unternehmen.
Tatsächlich wäre eine Abwicklung dieser Prozesse ohne KI zwar noch vorstellbar, aber laut Reinhard Willfort, Professor für Innovationsmanagement und isn-CEO, wären moderne Industrieanlagen überwiegend auf feste Wartungsintervalle oder einfache Grenzwertüberwachungen nach wie vor angewiesen: “Gerade in der Steiermark, mit ihrer starken Industrie sind Produktionsanlagen heute so komplex, dass eine Predictive-Maintenance-Strategie ohne KI zunehmend an Grenzen stößt. Die KI erkennt komplexe Muster und macht präzise Vorhersagen über Ausfälle erst möglich. Dadurch werden Wartungen vorausschauend planbar, Stillstände reduziert und die Anlagenverfügbarkeit deutlich erhöht”, so Willfort.*

Innovationsmanager Reinhard Willford:
“Kein Wettbewerb mehr ohne KI”
KI-Lösungen werden in der steirischen Fahrzeugtechnik, etwa bei der autonomen Fahrzeugherstellung und der Entwicklung von E-Motoren, oder Batterien für E-Fahrzeuge genutzt. Diese Modelle reduzieren hohe Kosten für Tests und Prototypen sowie die Zuverlässigkeit von Batterien und Wartungsarbeiten. Aber vor einer zu großen Euphorie muss gewarnt sein, so Willfort: “Durch globalen Wettbewerb und steigenden Entwicklungs- und Produktionskosten ist der Einsatz von KI extrem wichtig. Man kann damit aber keinen Wettbewerbsvorteil mehr generieren. Es geht vielmehr um die Frage, wie lange die Überlebensfähigkeit ohne KI noch gegeben sein wird.”
Machine Learning ist eines der wichtigsten Produktoptimierungsprogramme. Sie hilft den Betrieben den Energieverbrauch zu senken, die Ressourceneffizienz zu erhöhen und Prozesse in Echtzeit zu steuern. Das internationale Entsorgungs- und Recyclingunternehmen Saubermacher nutzt vor allem Machine Learning zur Bildverarbeitung und Optimierungsalgorithmen, für das Recycling und die Logistik: “KI unterstützt uns dabei, Daten schneller auszuwerten, Abläufe effizienter zu gestalten und Potenziale in der Kreislaufwirtschaft besser zu nutzen. Gleichzeitig ist der Einsatz von KI ein Entwicklungsprozess. Technologien werden von uns laufend getestet, optimiert und an neue Anforderungen angepasst. Das trägt dazu bei, die Qualität der Stoffströme weiter zu verbessern, um Rohstoffe möglichst lange im Kreislauf zu halten. Konkrete Anwendungsbeispiele finden sich etwa im SmartScan der Firma Scantech, den wir entwickelt haben, und der mithilfe künstlicher Intelligenz Fehlwürfe direkt im LKW erkennen kann”, so Saubermacher PR-Manager Lukas Kreimer.
Die KI unterstützt Magna Steyr in der zeitraubenden und äußerst aufwendigen Fügetechnologie, in der Teile der Karosserien Punkt für Punkt verschweißt werden müssen, um die nötigen Sicherheitstests zu absolvieren. KI wurde mit all dem angesammelten Wissen gespeist und verschnellert nun die Schweiß-Vorgänge: “Wir nutzen KI, um vorhandenes Wissen einfacher zugänglich zu machen und unsere Entwicklungsprozesse effizienter zu unterstützen. Diese Technologie hilft, Konstruktionsteams zu entlasten und Ressourcen für komplexere Aufgaben zu schaffen. Entscheidend ist für uns ein verantwortungsvoller und sinnvoller Einsatz solcher Technologien”, verlautbart die Magna Steyr-Kommunikation.

Bei all den Vorteilen im Berufsleben reagieren Arbeitnehmer bezüglich ihrer Jobsicherheit angespannt. Jedoch verändert KI den Arbeitsmarkt weniger durch den Wegfall von Arbeitsplätzen als durch die Verschiebung von Tätigkeiten, meint Reinhard Willfort: “Routineaufgaben werden automatisiert, während die Nachfrage nach digitalen, analytischen und kreativen Kompetenzen steigt. Für die steirische Industrie bietet KI die Chance, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die entscheidende Voraussetzung dafür ist die KI-Weiterbildung der Beschäftigten.”
Ein Kernbestandteil des isn-Portfolios ist das Angebot „Künstliche Intelligenz im Innovationsmanagement“, das den gesamten Weg von der Strategieentwicklung bis hin zum Prototypen abdeckt. Da derartige Tools heute immer flächendeckender zum Einsatz kommen, stellt sich die Frage: Wie können sich Betriebe trotz der weiten Verbreitung von KI noch einen echten Produktionsvorsprung erarbeiten? Und in welchen Momenten bleibt die menschliche Intuition – das klassische Bauchgefühl – unverzichtbar? “Ein modernes Management eines Unternehmens wird in Zukunft beides brauchen. KI liefert nur bei sehr guter Datenlage auch exakte Ergebnisse. Das „Halluzinieren“ einer KI müssen Menschen mit Ihrem Domänenwissen schnell erkennen können. Dazu braucht es Expertise und noch immer ein gutes Bauchgefühl.”
Durch Angebote wie den KI-Check für Betriebe agiert die isn unmittelbar am Puls des Geschehens. Dadurch verfügt sie über fundierte Einblicke in den aktuellen Status quo sowie die Fortschritte der steirischen Industrie und Wirtschaft in Sachen KI: “Wir sind in Österreich in der KI-Anwendung gar nicht so schlecht. KI ist aber noch kein „Breitensport“ und muss in Zukunft Top Down ermöglicht und Bottom Up gelebt werden. Es gibt aber kaum Unternehmen, die sich aktuell nicht mit dem Thema beschäftigen, in welcher Intensität auch immer.”

“Für digitale Unternehmen und Büroberufe zeichnen sich heute zwei Wege ab. Entweder man begegnet KI mit Skepsis und Ablehnung – und riskiert, von der Konkurrenz schlicht überholt zu werden. Oder man erkennt das Potenzial frühzeitig und richtet die eigene Organisation so aus, dass KI zum wertvollsten strategischen Vorteil wird. Die Entscheidung ist keine Frage der Technologie-Begeisterung. Sie ist eine Frage des unternehmerischen Überlebens.”
Steady Sense, CEO Werner Koele

Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz erleben wir in der Lebensmittelverarbeitung und auch in der Kellerwirtschaft eine Revolution bei der optischen Sortierung. Mithilfe von Kameras und Deep-Learning-Algorithmen werden Objekte in extrem hoher Geschwindigkeit identifiziert und separiert. Diese Technologie ermöglicht Durchsätze und Reinheitsgrade, die mit rein infrarotbasierten oder manuellen Verfahren nicht erreicht werden können. Ein besonderes Anwendungsbeispiel findet sich im Weingut Krispel. “Nach der händischen Lese, in oft extremen Steillagen, passieren die Trauben nach der Anlieferung unsere optische Sortieranlage. Wie bei einem Parcours werden nur die qualitativ hochwertigsten Exemplare ausgewählt, während schadhafte Trauben präzise per Druckluft aussortiert werden. Diese in der Region einzigartige Investition stellt sicher, dass nur bestes Lesegut besonders schonend im Presshaus weiterverarbeitet wird”.
Wein- und Genussgut Krispel, Winzer Stefan Krispel

Welche Rolle spielt die KI im Bankensektor?
“Innerhalb der Bankenbranche dient künstliche Intelligenz als essenzieller Motor zur Steigerung von Effizienz, Sicherheit und Personalisierung. Die Technologie übernimmt dabei vielfältige Aufgaben:
- Prozessoptimierung Automatisierung administrativer Abläufe und schnellere Durchführung von Bonitätsprüfungen.
- Risikoschutz: Prävention von Betrugsfällen mittels Analysen in Echtzeit.
- Kundenerlebnis: Bereitstellung individualisierter Finanzprodukte sowie ein verbessertes Serviceangebot.”
RLB Vorstandsdirektor Mag. Rainer Stelzer
T E X T M A R T I N G . W A N K O
F O T O S K I – G E N E R I E R T M I T C H A T G P T | I S N |
FOTO FURGLER | MICHAEL REIDINGER | LUPI SPUMA
