Eine kulinarische Reise zwischen Kärnten & der Steiermark

Osteressen.

Durch den Koralmtunnel nähern sich Kärnten und die Steiermark geographisch an. Kulinarisch sind die beiden Bundesländer jedoch schon enger verbunden, als oft angenommen. Die traditionelle Osterjause dient als gutes Beispiel dafür. Martin G. Wanko setzte sich schnell in den Zug nach Kärnten und beleuchtete in Klagenfurt mit dem Verleger und Gastrosophen Lojze Wieser die Gemeinsamkeiten.

Die kulinarische Verbindung wird beispielhaft durch den Eierkren illustriert, einen pikanten Salat oder Aufstrich. Laut Lojze Wieser wird Eierkren heute vorwiegend in Teilen Kärntens und der Steiermark, aber auch noch in Gebieten von Krain und Ljubljana, konsumiert.

Die Zubereitungsarten unterscheiden sich dabei: Beim steirischen Eierkren steht der „Steirer Kren“ im Mittelpunkt. Das steirische Rezept beinhaltet hartgekochte Eier, frischen Kren und Apfelessig, Senf, Salz sowie weißen Pfeffer und wird gelegentlich mit Schnittlauch bestreut. Der Kärntner Eierkren wird oft cremiger zubereitet. Typische Zutaten sind neben Ei und Kren Sauerrahm, Essig, Öl, Salz, Pfeffer und Zucker. Manchmal wird anstelle von Sauerrahm Crème fraîche verwendet.

Dazu wird in Kärnten gerne Osterschinken und entweder Reindling oder Pinze/Pohača/Potica/Gubana gereicht, so Wieser: „Diese Backwaren sind wahlweise gefüllt mit Rosinen, Zimt und Johannisbrot oder auch ungefüllt.“ Der Kärntner Reindling, ein süßer Hefeteigkuchen, bildet hier den klassischen Kontrast zum salzig-scharfen Eierkren.

Autor & Gastrosoph: Lojze Wieser

Der Osterschinken weist in Kärnten und der Steiermark keine Unterschiede auf. Es ist allerdings unklar, wann der geräucherte Schinken das traditionell zu Ostern verzehrte Lamm verdrängte: „Vieles deutet darauf hin, dass dieser Wechsel vom Lamm zum Schwein mit dem Übergang vom Feudalismus zur Industrialisierung zusammenhängt. Der Grund dafür war der steigende Bedarf an schnell wachsendem, energiereichem Fleisch sowie der stark erhöhte Schmalzbedarf. In einigen Regionen wird jedoch aus traditionellen oder religiösen Gründen weiterhin das Schöpsernes/Lamm oder auch Zicklein bevorzugt“, verrät Lojze Wieser. 

Sowohl in Graz als auch in Klagenfurt wird in der Vorbereitung zum Osterfest gerne auf den Märkten eingekauft. In Graz bietet sich für einen Besuch der Bauernmarkt am Kaiser-Josef-Platz in zentraler Lage an, dieser bietet neben Gemüse vor allem steirische Spezialitäten. Hervorzuheben sind hier die Kasalm, Großschädl mit Schinken und Wurstwaren oder Michis Fische. Auch wenn der Markt schließt, bleiben die Lokale in den Kojen am Rand des Platzes geöffnet. Ein kulinarisches Dreigestirn bilden hier die Genießerei, Sofisch und Kaisers smoked BBQ. Der Markt konzentriert sich auf in der Steiermark angebaute Lebensmittel. 

Der Klagenfurter Benediktinermarkt spiegelt den Alpen-Adria-Raum wider. Lojze Wieser beschreibt ihn wie folgt: „Diese Stände am Markt sind das Streetfood von Klagenfurt, meistens gute Qualität. Rudi ist bodenständig, gehoben ist Christian Cabaliers Kochwerkstatt. Auf der anderen Seite Ivo mit der kroatischen Fischvariante. In Summe einheimische Kost, dazu ein Ausflug in die gehobene Küche und das Meer.“

Lojze Wieser ist ein in Klagenfurt sesshafter slowenischer Katholik, der als Autor, Verleger, Gastrosoph und Kulturvermittler tätig ist. Seit September 2013 präsentiert er gemeinsam mit Martin Traxl im ORF die Sendereihen „Der Geschmack Europas“ – eine Reihe kulinarischer Reisereportagen – sowie die Reihe „Geschmackshochzeit“, die den gastronomischen Reichtum des Alpen-Adria-Raums in den Fokus rückt.

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