Starke Wirtschaft = sichere Arbeitsplätze

Interview: Martin G. Wanko

Beim Wirtschaftsforum des Landtagsklubs der Steirischen Volkspartei wurden sieben zentrale Handlungsfelder für den Standort Steiermark definiert. 40plus traf Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom im Anschluss zum Gespräch. Sie erklärt, warum die Wirtschaft für sie ein „Schicksalsthema“ ist und wie Energie, Innovation, Infrastruktur und Ausbildung zu sicheren Arbeitsplätzen führen sollen.


Frau Landeshauptmann-Stv., Sie sprechen davon, dass die Wirtschaft ein „Schicksalsthema“ für die Steiermark ist. Warum ist dieses Thema gerade jetzt so entscheidend für unser Land?

Manuela Khom: Wirtschaft bedeutet Arbeit. Arbeit bedeutet Arbeitsplatz. Und Arbeitsplätze ermöglichen ein selbstbestimmtes Leben, schaffen Wohlstand und sichern unseren Sozialstaat. An einer starken Wirtschaft hängt also unglaublich viel. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten entscheidet sich, ob wir mutig in die Zukunft investieren oder in alten Strukturen verharren. Die Steiermark hat enormes Potenzial – von Industrie über Innovation bis Energie. Wenn wir jetzt die richtigen Rahmenbedingungen setzen, können wir unsere Stärke als Chancenregion voll ausspielen.

Beim Wirtschaftsforum wurden sieben zentrale Handlungsfelder vorgestellt. Wenn Sie es auf den Punkt bringen: Wo setzen Sie konkret an, um Arbeitsplätze zu sichern?

Khom: Wir setzen dort an, wo die Zukunft entsteht: bei Energie, Innovation, Infrastruktur und Internationalisierung. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Gleichzeitig investieren wir in Forschung und Entwicklung, stärken unsere Regionen und treiben zentrale Infrastrukturprojekte voran. Unser Ziel ist klar: ermöglichen statt verhindern. Denn nur wenn Unternehmen investieren und wachsen können, entstehen sichere Arbeitsplätze.

„Ich nehme diese Sorgen sehr ernst. Genau deshalb widmen wir in der Steirischen Volkspartei dem Thema Wirtschaft im Jahr 2026 unsere zentrale Aufmerksamkeit. Unser Auftrag ist es, zuzuhören und gleichzeitig konkrete Lösungen umzusetzen. Mit gezielten Investitionsimpulsen, einem steirischen Investitionsfonds und einer klaren Standortpolitik wollen wir Wachstum ermöglichen. Denn eine starke Wirtschaft ist die beste Garantie für sichere Arbeitsplätze.“

Manuela Khom

Infrastruktur gilt als Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg – von der Koralmbahn bis zum Flughafen Graz. Warum sind diese Projekte so wichtig für unseren Standort?

Khom: Eine starke Wirtschaft braucht eine starke Infrastruktur. Mit der Koralmbahn ist die Steiermark noch besser angebunden und rückt näher an zentrale Märkte heran. Aber das allein wird nicht reichen. Projekte wie der zweigleisige Ausbau Richtung Maribor oder der Flughafen Graz sind entscheidend, um Südösterreich als Wirtschaftsraum weiterzuentwickeln. Wenn wir diese Achsen stärken, wird die Steiermark zum zentralen Knotenpunkt Richtung Südosteuropa. Das schafft neue Chancen für Betriebe und Beschäftigte.

Die Zahl der Lehrstellen sinkt, gleichzeitig suchen mehr junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Sie fordern eine maßvolle Flexibilisierung der Arbeitszeit für minderjährige Lehrlinge. Warum ist das aus Ihrer Sicht notwendig – und wie profitieren sowohl Betriebe als auch Jugendliche davon?

Khom: Wir sehen derzeit zwei Entwicklungen: Betriebe bilden aufgrund der wirtschaftlichen Lage vorsichtiger aus und gleichzeitig finden mehr junge Menschen keinen Ausbildungsplatz. Wenn wir die Lehre stärken wollen, müssen wir sie an die Realität moderner Betriebe anpassen. Meine Forderung ist daher klar: mehr Flexibilität bei gleichbleibender 40-Stunden-Woche. In vielen Unternehmen sind flexible Arbeitszeitmodelle längst gelebte Praxis – etwa in der Gastronomie, im Außendienst oder bei Montagen. Es ist weder wirtschaftlich sinnvoll noch pädagogisch überzeugend, wenn erwachsene Mitarbeiter in einer Vier-Tage-Woche zehn Stunden pro Tag im Einsatz sind, Lehrlinge diese Flexibilität aber nicht haben und die Lehrlingsausbildung somit für Unternehmen nicht attraktiv ist. Mit einer maßvollen Anpassung schaffen wir Planbarkeit für Betriebe und ermöglichen gleichzeitig Modelle wie eine Vier-Tage-Woche für Lehrlinge. Das stärkt die Attraktivität der dualen Ausbildung, ohne Schutzbestimmungen auszuhöhlen. Wer unseren Standort stärken will, muss Ausbildung und betriebliche Realität zusammenbringen. Genau darum geht es.

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