40 Bücher für dein Leben

Die Übung ist absolut easy. Schließe deine Augen und liste dir die 40 Bücher auf, die man lesen sollte. Sie erscheinen dir dann nach und nach und fertig ist dein Kanon der Literatur. Jetzt besticht jeder Kanon durch seine Fehlerhaftigkeit und das ist gut so. Wer alles liest hat nichts gelesen, also Mut zur Unvollständigkeit wünschen die Autoren Norbert Wilhelm und Martin G. Wanko.

MARTIN WANKO

Bret Easton Ellis: American Psycho (Kiwi)
Das Buch unserer Jugend: 1991. Es war, als würde man mit einer überdimensionalen Rasierklinge die High Society von NYC feinsäuberlich schreddern und in den Hudson kippen. Der zuvor noch wenig bekannte US-Autor Bret Easton Ellis schuf mit „American Psycho“ das Original des modernen Psycho-Romans, mit Splatter-Movie-identischen Beschreibungen. Warum geht‘s? Patrick Bateman zieht als nobler Schlächter durch New York City. Im Hauptberuf Investmentbanker, frönt er zur späten Stunde seinem Hobby, um seine innere Leere anzufüllen. Norman Mailer übernahm die Patronanz über das wilddiskutierte Werk.

Oscar Wilde: The Picture of Dorian Gray  (Penguin Verlag)
Die grausam schöne Welt von damals: Oscar Wilde bleibt einer der vielzitiertesten Autoren seit die Welt lesen kann, gelesen wird er jedoch immer seltener. The Picture of Dorian Gray sei als Einstiegsdroge gedacht. Dorian, der schöne Mann, der einfach nicht älter zu werden scheint, dessen privates Umfeld jedoch an ungeklärten Verbrechen zugrunde geht und das in der englischen Lebewelt des Dandytums. Tee trinken, vielleicht auch Whisky und mit Oscar Wilde mitdenken. Am besten gleich auf Englisch.

Thomas Bernhard: Holzfällen
Der Österreicher: Kopf oder Zahl? Kopf gewann und die Wahl fiel auf Thomas Bernhards Holzfällen. Bernhards Romane haben grundsätzlich den Vorteil, dass man quer hineinlesen kann. Wie eine fiebrige Fingerübung lesen sich die Seiten des zutiefst gekränkten Autors, wenn er schriftstellerische Watschen vom Ohrensessel her austeilt. Zum Fogosch traf sich in Wien die kulturelle Gesellschaft seiner Jugendfreunde und holt aus. So nebstbei: Bernhard liest sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt anders, nochmals hineinschauen zahlt sich also aus.

James Ellroy: LA Confidential. (Ullstein)
Der Krimi: Europa oder Amerika war die Frage. Hier gebe ich den Vereinigten Staaten den Vorteil, ganz einfach, weil das Land der unbegrenzten Möglichkeiten den größten Spielraum für kreative Hardboiled Autoren offenlässt, und mir so nebenbei die Schwedenkrimis eher gestohlen bleiben können. Die Wahl fällt auf James Ellroys LA Confidential – Stadt der Teufel. Knappe Sätze, wenig Beifügungen, coole Dialoge. Ein an die Realität angepasster Hardboiled Klassiker, welcher dem Autor ein sorgenfreies Leben schuf, und in der Verfilmung Kim Basinger den Oskar brachte. Champagner!

Tino Hanekamp: So was von da (Kiwi)
Der Junge: Manchmal kommt immer noch ein Roman auf den Markt, wo man sich denkt, da will ja noch einer etwas erzählen, da hat einer eine Geschichte, die ihm so unter dem A. brennt, dass er sie loshaben will und muss. Tino Hanekamp ist so einer. Plot: Oskar Wrobel betreibt einen Musikclub in einem ehemaligen Krankenhaus in Hamburg. Seine Freunde sind seltsam, aber großartig. Die Weiber finden ihn scharf. Hilft alles nix, er muss weg. Er ist auf der Suche. Viel Farbe und viel Krach. Ja, hallo!

Benjamin Stuckrad-Barre: Livealbum (KiWi)
Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin (Rowohlt)
Wolfgang Bauer: Werksausgabe (Droschl)
Günter Eichberger: Der Wolkenpfleger (Residenz)
Patricia Highsmith: Venedig kann sehr kalt sein. (Diogenes)
Don DeLillo: Unterwelt (Goldmann)
Richard Price: Cash (Fischer)
Martin Amis: Information (Fischer Verlage)
Christine Nöstlinger: Maikäfer fliegt. (Gulliver)
Xaver Bayer: Die Alaskastraße (Jung und Jung)
Florian Illies: 1913 – der Sommer des Jahrhunderts. (Fischer)
Carson McCullers: Das Herz ist ein einsamer Jäger (Diogenes)
Der Kurs der Kennedys (Mare Verlag)
Peter Handke: Der kurze Brief zum langen Abschied (Suhrkamp)
Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker (Diogenes)

NORBERT WILHELM

Louis L’Amour: Education of a Wandering Man (Bantam Press Large Print Collection)
Seine über 100 Romane erschienen neben etwa 30 anderen Sprachen auch auf deutsch, seine Autobiographie nur auf englisch. Aber es lohnt sich trotzdem, diese Liebeserklärung an das Lernen zu lesen. Louis L’Amour verlässt die Schule mit 15, schlägt sich als Landstreicher und Gelegenheitsarbeiter durch, fährt zwischen Singapur und den Westindischen Inseln zur See und verdingt sich als umherziehender Bare-Knuckle Boxer. Während dieser Zeit bringt er sich selbst das Schreiben bei, seine Westernromane werden über 260 Millionen Mal verkauft. Ja, Sie haben richtig gelesen. 260 mit sechs Nullen hinten dran.

Roald Dahl: Onkel Oswald und der Sudankäfer (Rowohlt Verlag)
Gute Nachrichten, es gibt ein Mittel gegen Libidoverlust. Und Onkel Oswald hat es gefunden. Unfreiwillig mit im Boot: Renoir und Monet, Stravinsky, Picasso, Matisse, Marcel Proust, der Tänzer Nijinsky, James Joyce, Puccini, Rachmaninoff, Sigmund Freud und Albert Einstein, Thomas Mann, Joseph Conrad und H. G. Wells, dazu George Bernard Shaw und ein gutes halbes Dutzend Könige sowie Rudyard Kipling und Sir Arthur Conan Doyle, der Vater von Sherlock Holmes. Apropos Vater: Onkel Oswald betreibt einen schwunghaften Handel mit dem Sperma von Genies. Wie er das anstellt? Das lesen Sie am besten selbst.

Francis Carco: Jesus Schnepfe (Verlag Wunderhorn)
Francis Carco, einer der vergessenen Gründungsväter der literarischen Moderne und der Mann, dessen Darstellung Pariser Stadtviertel wie Pigalle, Montparnasse oder Quartier Latin ihren legendären Anstrich verdanken. „Jesus Schnepfe“ ist vermutlich der erste Hardcore-Punk-Roman der Geschichte, wem also Gegenwartsliteratur zu glatt ist, möge zum „Ästheten der Unterwelt“ (Frankfurter Rundschau) greifen. Carco gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den auflagenstärksten Autoren und erzählt von Ganoven, Nutten, Liebe, Einsamkeit und eigenen Gesetzen. Also alles da, was für gute Unterhaltung nötig ist.

Raymond Chandler: Der große Schlaf (Edition Büchergilde)
In „Der große Schlaf“ wird erstmals die Figur des Detektivs Philip Marlowe eingeführt, der Roman gilt als Klassiker der Literaturgeschichte: „Le Monde“ wählte ihn 1999 unter die 100 prägenden Roman des Jahrhunderts und das Time Magazine zählt ihn zu den besten englischsprachigen Romanen die zwischen 1923 und 2005 erschienen sind. Die Romanhandlung ist zu komplex, um hier beschrieben zu werden und es würde den Spaß verderben, aber vielleicht kennen Sie die Geschichte ohnehin: 1946 spielt Humphrey Bogart in „Tote schlafen fest“ und 1978 Robert Mitchum in „Tote schlafen besser“ jeweils Philip Marlowe.

Italo Svevo: Senilità / Ein Mann wird älter (Diogenes Verlag)
Es passieren wilde Dinge rund um die Vierziger. Und es gibt keine schmählichere Erniedrigung als die Eifersuchtsqualen eines Mannes, der einer käuflichen Frau hörig ist. Um die Jahrhundertwende lebt in Triest der angesehene jüdische Fabrikant Ettore Schmitz, ein liebenswürdiger Mann mit literarischen Interessen, der dieses Gefühl kennt – und von dem die Nachwelt bestimmt nichts wüßte, hätte er sich nicht eines Tages, hoch in den Vierzigern, entschlossen, Englischstunden zu nehmen bei einem jungen Iren namens James Joyce, von dem Svevo schreibt: „Joyce hat an mir das Wunder des Lazarus wiederholt“.

Tom Standage: Sechs Getränke, die die Welt bewegten (Artemis & Winkler)
Philip K. Dick: Träumen Androiden von elektrischen Schafen? (Haffmans‘ Entertainer)
Jack Kerouac: Unterwegs (Rowohlt)
Die Bibel (Deutsche Bibelgesellschaft)
James Joyce: Ulysses  (Suhrkamp)
Mikhail Bulgakov: Der Meister und Margarita (Galiani Berlin)
Niccolò Machiavelli: Il Principe/Der Fürst (Akademie Verlag)
Malcolm Lowry: Unter dem Vulkan (Rowohlt)
George V. Higgins: Die Freunde von Eddie Coyle (Verlag Antje Kunstmann)
Paul Arden: Whatever You Think, Think The Opposite (Penguin General UK)
Heinrich Böll: Doktor Murkes gesammeltes Schweigen (Kiepenheuer&Witsch)
Vatsyayana: Das Kamasutra (Reclams Universal-Bibliothek)
Clint Emerson: 100 Deadly Skills (Simon & Schuster)
Malcolm Gladwell: The Tipping Point (Little, Brown and Company)
Miguel de Cervantes: Don Quixote (Fischer Klassik)