Willibald Ehrenhöfer: “Innovationen entstehen nicht aus Bequemlichkeit!”

Forschung und Entwicklung sind ein Garant für den langfristigen Erfolg eines Landes. Die Steiermark gilt nicht nur als das Innovationsland Nummer 1 in Österreich, sondern zählt auch im europäischen Vergleich zu den führenden Forschungsregionen mit einer F&E-Quote von 5.32%, bzw. einem Forschungsvolumen von 3,25 Mrd. EUR pro Jahr, aber die Zeiten sind herausfordernd. Das Gespräch mit Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer führte Martin G. Wanko.

Der Trend hält schon einige Jahre an, dennoch erstaunlich, dass man ihn in Zeiten wie diesen fortführen kann, oder? Worin liegt das Geheimnis?

Ehrenhöfer: Die Steiermark macht seit vielen Jahren etwas richtig: Wir setzen konsequent auf Forschung, Innovation und Wissen. Das zahlt sich jetzt aus. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigt sich, welche Regionen vorgesorgt haben. Forschung und Entwicklung sind in vielen Bereichen wichtig, manche Aktivitäten tragen schnell Früchte und andere brauchen länger. Wir sind Innovationsland Nummer 1 in Österreich. In der Steiermark wachsen außergewöhnliche Ideen, innovative Unternehmen und mutige Menschen über sich hinaus. 

Letztens in einer Veranstaltung sagten Sie, die Herausforderung sei, die Forschungsquote von 5,32 Prozent für morgen in Wirtschaftswachstum umzuwandeln. Gibt’s hier neue Erkenntnisse?

Ehrenhöfer: Die Erkenntnis ist eigentlich eine einfache: Forschung ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, was am Ende daraus entsteht – neue Produkte, neue Unternehmen und sichere Arbeitsplätze. Wir sind bei der Forschung spitze. Jetzt müssen wir genauso gut darin werden, Innovationen gemeinsam mit den Unternehmen durch schnellere Verfahren und schnelleren Zugang zu Kapital schneller umzusetzen.   

Für mich ist Nachhaltigkeit kein Gegensatz zu wirtschaftlichem Erfolg.

Willibald Ehrenhöfer

Die Autoindustrie erlebt derzeit ihre dunkelsten Stunden. Forschungseinrichtungen befürchten nun eine Beschneidung der Drittmittel. Wie kann hier gegengewirkt werden?

Ehrenhöfer: Der Mobilitätssektor ist weltweit in der größten Transformation seiner Geschichte. Wir haben aber in diesem Bereich vor mehr als zehn Jahren reagiert – indem wir den ACstyria vom Autocluster zum Mobilitätscluster weiterentwickelt und die Bereiche Bahn und Luftfahrt integriert haben. Dadurch steht die Branche heute auf mehreren Standbeinen, was sich positiv auswirkt. Auch im Forschungsbereich haben wir rechtzeitig die notwendigen Schritte für die Zukunft gesetzt und das größte Forschungszentrum für virtuelle Fahrzeugentwicklung gemeinsam mit dem Bund errichtet und der Industrie für acht weitere Jahre abgesichert. 

Herausfordernde Zeiten waren schon immer ein Treiber für Innovation. Gilt das auch für die steirische Forschung?

Ehrenhöfer: Davon bin ich überzeugt. Viele Innovationen entstehen nicht aus Bequemlichkeit, sondern durch Herausforderungen. Wenn alles perfekt läuft, wird selten etwas grundlegend neu gedacht. Die Steiermark hat immer wieder bewiesen, dass sie mit schwierigen Situationen umgehen kann. Wir wachsen mit unseren Aufgaben. Das gilt für die Steirerinnen und Steirer, für unsere Unternehmen und für die ganze Region. 

Wie manifestiert sich in der Forschungs- und Innovationsstrategie für die Standortsicherung der Ansatz Nachhaltigkeit? Wo steht die Steiermark heute und wo sehen Sie die Steiermark 2035?

Ehrenhöfer: Für mich ist Nachhaltigkeit kein Gegensatz zu wirtschaftlichem Erfolg. Im Gegenteil: Die erfolgreichsten Standorte der Zukunft werden jene sein, die beides miteinander verbinden. Heute zählen wir bereits zu den führenden Green-Tech-Regionen Europas. Darauf können wir stolz sein. Bis 2035 soll die Steiermark bei erneuerbaren Energien deutlich weiter sein, bei grünen Innovationen vorne mitspielen und zeigen, dass wirtschaftliches Wachstum und ökosoziale Verantwortung kein Widerspruch sind. Und ich will, dass sich menschliche und künstliche Intelligenz gemeinsam weiterentwickeln und wir aus der Steiermark heraus weiter Impulse für die Zukunft Europas setzen.

Nicht die künstliche Intelligenz macht den Unterschied, sondern die menschliche Intelligenz im Umgang mit ihr.

Willibald Ehrenhöfer

Die Cluster Silicon Alps oder Green Tech Valley sind bereits mit positivem Beispiel vorangegangen. Gibt es Neuigkeiten aus der Area Süd?

Ehrenhöfer: Mit der Koralmbahn sind die Steiermark und Kärnten zusammengewachsen – jetzt geht es darum, dieses Potential auch wirtschaftlich voll auszuschöpfen. Deshalb werden wir künftig mit einer gemeinsamen Dachmarke auftreten, internationale Auftritte bündeln und unsere Stärkefelder noch enger vernetzen. Ein Wirtschaftsempfang in München und ein gemeinsamer Auftritt beider Bundesländer bei  der EXPO in Belgrad werden 2027 die ersten sichtbaren Beispiele dafür sein.

Gefühlt verringert sich in der Bevölkerung das Misstrauen gegenüber der KI in der Anwendung, es wächst aber das Misstrauen bezüglich Jobverlusten.

Ehrenhöfer: Diese Sorgen nehme ich ernst. Jede technologische Revolution hat zunächst Verunsicherung ausgelöst. Der entscheidende Unterschied liegt aber darin, ob man Entwicklungen gestaltet oder ihnen hinterherläuft. Ich sage immer: Nicht die künstliche Intelligenz macht den Unterschied, sondern die menschliche Intelligenz im Umgang mit ihr.

Fotos: Land Stmk. / Lughammer

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