Forschung – der Reichtum eines Landes.

Die Forschungslandschaft in Österreich präsentiert sich im Jahr 2026 als ein vitales Ökosystem, das mit einer Quote von 3,34 % den EU-Durchschnitt deutlich hinter sich lässt. Trotz dieser positiven Zahlen gibt es auch kritische Aspekte zu beleuchten. 40plus hat dazu Christof Gattringer, den Präsidenten des Wissenschaftsfonds (FWF), sowie Henrietta Egerth, die Geschäftsführerin der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), um ihre Einschätzungen gebeten.

Es ist eine Frage der Quote … 

Mit einer Forschungsquote von 3,34 % liegt Österreich an der 3. Stelle in der EU. Das ist erfreulich, aber eben nicht nur: “Der FWF muss aufgrund seiner Finanzsituation in einem sehr kompetitiven Wettbewerb auch Projekte, die bei der internationalen Begutachtung exzellent bewertet wurden, ablehnen, so dass unsere Bewilligungsrate knapp unter 25 % liegt”, so FWF-Präsident Christof Gattringer. 

Weniger optimistisch schaut es laut Gattringer im europäischen Pro-Kopf-Vergleich bezüglich der Grundlagenforschung aus: “Schaut man sich hier die Summen für die Förderungsorganisationen einiger führender europäischer Länder wie der Schweiz (143 €), Finnland (91 €) oder den Niederlanden (64 €) an, so erkennt man sofort, dass der Anteil kompetitiv vergebener Mittel für Grundlagenforschung in Österreich (2025: 37 €) signifikant höher sein sollte.” 

Grundlagen- oder angewandte Forschung? 

Die Prioritäten in der Forschung verschieben sich zunehmend in Richtung einer zügigen praktischen Anwendung gewonnener Erkenntnisse. Es besteht daher die berechtigte Sorge, dass die akademische Grundlagenforschung sukzessive an Bedeutung verliert: “Wie der Begriff Grundlagenforschung schon zum Ausdruck bringt, ist in diesem Bereich ein Schielen auf schnelle Umsetzung oft kontraproduktiv, da für tiefgreifende wissenschaftliche Durchbrüche auch eine langer Atem notwendig ist”, so FWF-Präsident Gattringer.   

Henrietta Egerth-Stadlhuber, Geschäftsführerin der FFG, spricht sich gegen eine strikte Trennung von staatlich getragener Grundlagenforschung und wirtschaftlich motivierter angewandter Forschung aus: “Im Gegenteil: Beide sind aufeinander angewiesen. Österreich ist stark in der wissenschaftlichen Exzellenz, entscheidend ist aber, Forschungsergebnisse rascher in Innovation, Produkte und Geschäftsmodelle zu übersetzen. Die FFG versteht sich hier als Brücke zwischen Forschung und Markt und unterstützt Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen entlang der gesamten Innovationskette.”

Spin-offs, oder der Weg in die Zukunft.

Um aus wissenschaftlichen Erkenntnissen ökonomische Erträge und eine neue industrielle Schlagkraft zu generieren, stellen Spin-offs ein entscheidendes Instrument dar: “Österreich hat hier großes Potenzial, vor allem bei Deep-Tech- und Hightech-Ausgründungen, muss aber bei Skalierung, Risikokapital und Geschwindigkeit deutlich aufholen. Die FFG unterstützt diesen Weg gezielt – etwa mit Programmen für Technologietransfer, Spin-offs und die frühe Unternehmensentwicklung, damit mehr Forschung ‘made in Austria’ auch zu Unternehmen ‘made in Austria’ wird”, so Henrietta Egerth-Stadlhuber. 

Text: Martin G. Wanko

FACTBOX: 

Zwei zentrale Institutionen tragen in Österreich die Verantwortung für die finanzielle Unterstützung von Forschungsprojekten: Der Wissenschaftsfonds (FWF) ist für den Bereich der Grundlagenforschung zuständig und investierte zuletzt in seiner Jahresbilanz 340 Millionen Euro in die heimische Grundlagenforschung.
Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) deckt die angewandte Forschung ab. Staatlich bewilligte Förderungssumme: 878 Mio. Euro. 

Fotos: FWF Peter Rigaud, FFG: Sarah Katharina

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