Anlässlich des goldenen Jubiläums, dem 50. Jahrestag seines Lehrabschlusses, luden die WKO Steiermark sowie die Erlebnisregion Graz zu einer Presserunde, bei welcher der renommierte Koch tiefe Einblicke in seinen Werdegang gewährte. Mit Nachdruck appellierte er dabei an die Zuhörer, die eigene Vision stets konsequent zu verfolgen und die gestalterische Macht über das eigene Schicksal niemals abzutreten – oder, um es in seiner Sprache auszudrücken: der Diener seiner Sache zu sein.
So ganz nebenbei ist das Leben des “steirischen Genussbotschafters” auch immer eine Ode an die Steiermark. 40plus bringt Zitate seiner eindringlichen Ansprache im WKO Steiermark Center of Excellence im O-Ton:
“Nachdem ich in Graz in der Gösser gelernt und in der Kirchner Kaserne den Bundesheerdienst abgeleistet habe, musste ich fort von hier. Mir hat meine Mutter damals 500 Schilling gegeben, also 80 DM, wo sie gedacht hat, sie hat mir ihr ganzes Vermögen jetzt mit auf die Reise nach Berlin gegeben!”
Johann Lafer über seinen ersten Schritt ins Ausland nach seiner Lehre in der Grazer Gösser. Seine Mutter gab ihm ihre eisernen Reserven mit auf den Weg.
“Also, ich komme vom Bauernhof aus der Oststeiermark und soll jetzt in Berlin plötzlich 40 Torten machen: Einen Nachbau einer Parfumflasche aus Zucker und Marzipan! Ich stand dann oft am Waschbecken, hatte immer das Gefühl, ich kriege jetzt einen Herzinfarkt, weil ich so aufgeregt bin! Meine Schlagader ging da bis zum Hemdkragen und ich war wirklich überfordert!”
Plötzlich bekam Johann Lafer in Berlin, in der Patisserie, wo er tätig war, den Auftrag, für eine Elizabeth Arden-Parfum-Präsentation die nötige Torte zu kreieren. Es ging voran!
“Es ist jetzt vielleicht ganz komisch, wenn ich das mit der Zahnpasta-Werbung in Verbindung bringe, aber ich habe damals schon gemerkt: Man muss für sein Ding den nötigen Rahmen finden, um es geltend zu machen.”
In seiner Berliner Anfangszeit bekam Johann Lafer plötzlich das Angebot, in einer Zahnpasta-Werbung als Modell aufzutreten. Dazu musste er sich einen Bart wachsen lassen. Aus der Werbung wurde nichts, der Schnauzer blieb!

“Als ich damals Bush im Weiße Haus besuchte, hat der Sicherheitsdienst mich nicht einmal nach meinem Ausweis gefragt. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, dass sich ein Koch im Weißen Haus an das Rednerpult vom Präsidenten stellt oder in der Küche auf dem Sessel sitzt, wo jetzt zum Beispiel der Trump sitzt. Das war für mich als Mensch aus der Oststeiermark ein mega emotionales Erlebnis.”
Der Kontakt entwickelte sich 2005 durch George W. Bushs Staatsbesuch in Deutschland, wo Johann Lafer gemeinsam mit zwei weiteren prominenten Köchen für das leibliche Wohl des US-Präsidenten sorgte.
“Ich bin in der Oststeiermark aufgewachsen und weiß noch, dass wir aus dem Notwendigen, dem Normalen, etwas Gutes machen mussten. Für ein Backhendl gabs keine Gewürzmischung, sondern nur Salz, Pfeffer und Paprika.”
Die Schlichtheit als Basis für eine gelungene Küche und eine Weltkarriere.
“Das große Problem heute auf dieser Welt ist die Schnelligkeit! Man will zu viel auf einmal. Das funktioniert nicht, Leute! Man muss demütig sein. Man muss Respekt haben. Man muss menschlich bleiben.”
Der Starkoch über die Ungeduld, in einer immer schneller werdenden Zeit.
“Eines der großen Dinge im Leben, die uns zum Menschen machen: Geben ist besser als Nehmen. Und das merke ich in meiner jetzigen Situation ganz besonders, denn wenn es dir plötzlich nicht mehr so gut geht, sind alle hier weg, die nur genommen haben. Aber denen, denen du gegeben hast, die sind alle da.”
Erkenntnisse aus der letzten Zeit.
“Wenn ich heute das Gefühl habe, größenwahnsinnig zu werden, dann kommen mir sofort die 500 Schilling meiner Mutter in den Sinn: Diese Jacke, dieses Hemd, die Schuhe, die Hose – alles kommt aus diesen 500 Schilling. Das war meine Basis. Und deshalb bin ich sehr dankbar und bin sehr glücklich, dass ich in so einer Situation groß geworden bin.”
Johann Lafer und die ewige Bodenständigkeit.
“Und heute ist die Steiermark das, was wir uns alle wünschen. Authentisch, ehrlich geblieben, dienstleistungsbereit, gastfreundlich und natürlich. Und das kannst du nicht kaufen!”
Der Koch und Unternehmer über “seine” Steiermark.
Fotos: (1) Martin G. Wanko (2) WKO/Foto Fischer
Die Zitatauswahl und Erklärungen übernahm Martin G. Wanko
