Die lässigsten Feste sind bekanntlich die nicht geplanten, vor allem wenn der Sommer Fahrt aufnimmt.
Heute ist das Wetter wunderschön! Anlass genug, nach dem langen Bürotag noch etwas Vitamin D zu tanken. Während unseres Spaziergangs bemerken mein Freund und ich, dass die Gastgarten-Saison bereits begonnen hat. Die müssen wohl in den letzten Tagen aufgesperrt haben. Lange dauert es nicht und wir sitzen an einem Tisch eines Marktstands am Lendplatz. Der Kellner kommt und wir bestellen einen Spritzer und ein Bier. Wahnsinn, heute schmeckt’s besonders gut! Auch am Abend lässt es sich im Freien mittlerweile gut aushalten. Die Stimmung ist großartig. Eine milde Brise weht über den Marktplatz und Skater üben ihre Tricks. Die Stimmung ist großartig: Kein Tisch ist leer und auch im Umkreis der Marktstände stehen Menschen in Trauben und trinken mitgebrachte Getränke. Im Hintergrund geht die Sonne unter und erzeugt ein orange-blaues Licht. Die gelben, langsam heller werdenden Strahlen der Straßenbeleuchtung fügen sich passend dem frühlingshaften Szenario.

Auf einmal kommen zwei Gestalten direkt auf uns zu: unsere alten Bekannten Marli und Jonas. Natürlich wollen wir auf unser spontanes Treffen anstoßen. Während ich den nächsten Spritzer trinke, merke ich, wie lange wir uns eigentlich nicht mehr gesehen haben: Marli, die Langzeitstudentin, hat mittlerweile ihre Masterprüfung mit “sehr gut” abgeschlossen und arbeitet im Sozialbereich und Jonas, der mit seinem Bürojob nie wirklich zufrieden war, hat sich dazu entschlossen nun doch zu studieren. Kurz nach Mitternacht machen wir uns auf den Heimweg. Nüchtern sind wir nicht mehr – eigentlich wollten wir ja nur “auf eines gehen”. Komatös fallen wir ins Bett.
Biep, biep, biep. Es ist sieben Uhr in der Früh. Der Wecker läutet. Oh Mann, am liebsten würde ich im Bett liegen bleiben. Hilft nix! Wer saufen kann, kann auch arbeiten. Ich quäle mich aus dem Bett und bereite mir ein elektrolythaltiges Brausegetränk vor – das soll angeblich gegen Kater helfen. Alkohol dehydriert den Körper und entzieht ihm wichtige Nährstoffe. Während ich warte, dass sich die Tablette auflöst, surfe ich im Internet. Wie gehen andere Kulturen mit einem dicken Kopf um? In den meisten Ländern wird nach einem Rausch deftig gegessen. Die Briten bestehen auf ihr “Full English Breakfast”. Spiegeleier, gegrillte Tomaten, gebratene Würstchen, Pilze, Speck, Toast und Baked Beans sollen dem Kopfweh den Garaus machen. In Mexiko wird zu “Chilaquiles”, also aufgebackene oder frittierte Tortilla-Chips mit Saucen, Käse, Sauerrahm, Zwiebeln und wahlweise Fleisch, gegriffen. Die Türken, sofern sie Alkohol trinken, und Koreaner kochen sich am Hangover-Tag Suppen. In der Türkei ist es eine Suppe aus Kopf und Klauen vom Schaf oder Hufe vom Rind. Löblich, dass alle Teile des Tieres verwertet werden, aber über diese Suppe traue ich mich nicht. In Südkorea ist es eine salzige Rindsknochensuppe. Lachen muss ich bei den Dänen. In Dänemark gibt es nämlich kein typisches Katerfrühstück. Die Dänen sprechen, wenn sie einen Kater haben, von Zimmermännern, die im Kopf hämmern und so das Kopfweh erzeugen. Das beste Heilmittel ist ein Konterbier, “reparationsbajer”, das die Schäden der Zimmermänner reparieren soll. Ehrlicher geht’s nicht!
Schmunzelnd bemerke ich, dass sich die Brausetablette mittlerweile aufgelöst hat. Ich drehe das Glas, denke an das dänische Konterbier, entscheide mich aber dazu, die chemisch schmeckende Flüssigkeit zu trinken und hoffe, dass ich bald wieder bei alten Kräften bin. Ob es gescheit war, gestern so viel zu trinken? Nein, auf keinen Fall! Aber solche Abende müssen auch sein – besonders, wenn man alte Bekannte trifft.
TEXT: CLARISSA BERNER
