Wer zurzeit die Koffer packt, dem sticht es sofort ins Auge: Die sengende Hitze hat die Weiden gezeichnet, und das Getreide steht bereits viel zu weit in der Reife. Es ist, als hätte sich die Optik des Hochsommers frech in den Juni vorgedrängt. Im Idealfall erinnert diese Szenerie beinahe malerisch an die Crete Senesi in der Toskana, das ist aber nur ein kleiner Trost. Die Käsereien haben ihre liebe Not, in Norditalien und auch in Österreich.
Dass Italien die WM erneut nur vor dem Fernseher verfolgt, wird gerade verdaut, doch die ausbleibenden Niederschläge in der Emilia-Romagna beschwören eine handfeste Krise herauf. Der Parmigiano Reggiano – gewissermaßen das Urgestein unter den Käsesorten – lässt sich unter diesen Bedingungen nur noch mit größter Mühe herstellen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, schwinden jene Gräser und Kräuter, die den Kühen als Basis ihrer Milch für das charakteristische Aroma dieses Hartkäses dienen. 40plus hat das Gefühl, die aktuelle Saison ließe sich noch irgendwie retten, doch der Stress durch die zunehmende Trockenheit erreicht längst auch unsere heimische Almwirtschaft.

“Klimaschutz ist auch Almenschutz ist auch Käseschutz. Für die österreichische Genusswelt wäre das ein herber Verlust”, so Ernst Koschu, Grazer Käsesommelier, Kasalm.
Vom Ländle bis in die Grüne Mark blickt die heimische Almwirtschaft auf eine tief verwurzelte Tradition zurück, doch in diesem Jahr teilen unsere Senner das Schicksal ihrer norditalienischen Nachbarn. Bleiben die erlösenden Regengüsse weiterhin aus, drohen die saftigen Bergweiden unter der unerbittlichen Sonne zu verdorren. Ein vorzeitiger Almabtrieb wäre die bittere Konsequenz – ein ungewohntes Szenario für das Vieh. Schmerzlicher noch: Unsere geschätzte Genusskultur, von der gehaltvollen Bergbauernmilch bis zum würzig-gereiften Bergkäse, liefe Gefahr, in dieser dürren Saison sprichwörtlich auf der Strecke zu bleiben.
Text: 40plus Red. Fotos: 1: ChatGPT, 2: Kasalm.
