Trieste Scienza 

Elettra Sincrotrone Trieste: Forschung auf höchstem Niveau, mit TU Graz Beteiligung.

40plus-Autor Georges Desrues über Triest, als Bildungshauptstadt der Friaul. 

Wenn das Triester Stadtbild vielerorts an Wien erinnert, dann auch, weil die Hafenstadt unter der Herrschaft der Habsburger über keine eigene Universität verfügte. Und folglich viele der angehenden Architekten zum Studieren in die Hauptstadt des damaligen Kaiser- und Königreichs zogen, bevor sie zurückkehrten und das Gelernte in Triest anwendeten. Darunter etwa Max Fabiani, Giorgio Zaninovich oder Giovanni Andrea Berlam.

Den Wunsch nach einer eigenen Universität äußerte die in ihrer überwiegend Mehrheit italienischsprachige Triester Bevölkerung freilich schon viel früher und wiederholt. Doch wurde diese von Wien stets abgewiesen, was immer wieder zu Spannungen führte. Und so war die Errichtung einer eigenen Hochschule auch eines der ersten großen öffentlichen Projekte der neuen Regierung, als die Stadt nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 an Italien fiel. 

Umgesetzt wurde es unter der Herrschaft der Faschisten, die bereits 1922 in Rom die Macht übernahmen und im Jahr 1924 die seit 1877 bestehende Triester Scuola Superiore di Commercio (Handelshochschule) per Dekret in eine Universität umwandelten. Im Jahr 1938 legte Benito Mussolini dann höchstpersönlich den Grundstein für das mächtige, von den Architekten Raffaello Fagnoni und Umberto Nordio geplante Gebäude im rationalistischen Stil, das hoch oben von seinem Hügel und bis zum heutigen Tag das Stadtbild beherrscht. 

Heute studieren an der Triester Universität an die 16.000 Studenten an zahlreichen Fakultäten, darunter auch Architektur. Zudem versteht man sich als „Città della Scienza“ (Stadt der Wissenschaft), weil es hier eine der höchsten Konzentrationen von Forschern und wissenschaftlichen Einrichtungen in ganz Europa gibt. Statistisch, so heißt es, kommen auf 1.000 Einwohner rund 37 Forscher – ein international mehr als beachtliches Verhältnis.

Der Grundstein der Entwicklung lag in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Stadt plötzlich in einer Falte des Eisernen Vorhangs lag und ihre wirtschaftliche Bedeutung als Hafen deutlich abnahm. Um dem entgegenzuwirken, beschlossen einige visionäre Wissenschaftler gemeinsam mit der italienischen Regierung, hier Forschungseinrichtungen anzusiedeln. 

Zu den etwa 30 internationalen Zentren zählen unter anderen die SISSA (Scuola Internazionale Superiore di Studi Avanzati), das Abdus-Salam-Internationale Zentrum für Theoretische Physik (ICTP), das Internationale Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (ICGEB), das OGS (Institut für Ozeanographie und Geophysik), sowie das physikalische Großgerät Elettra Sincrotrone im Vorort Basovizza auf dem Karstplateau und an der Grenze zu Slowenien.  

Beim letztgenannten handelt es sich um eine Großforschungseinrichtung mit einem ringförmigen Teilchenbeschleuniger. Elektronen, die nahezu mit Lichtgeschwindigkeit im Ring kreisen, erzeugen hochenergetische Synchrotronstrahlung, die internationale Forscher zur Analyse atomarer Strukturen in Materialien und Proteinen nutzen. Hierauf greift auch die Technische Universität Graz (TU Graz) zurück, die am Elettra Sincrotrone eine eigene Außenstelle unterhält, um Messplätze und sogenannte Beamlines wie die Röntgenkleinwinkelstreuung für Material- und Nanowissenschaften direkt zu betreuen und zu verwalten. Diese Kooperation ermöglicht österreichischen Forschern direkten Zugang zu hochintensiver Synchrotronstrahlung, wie sie an heimischen Universitäten in dieser Form nicht verfügbar ist.

Die große Anzahl an wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen brachte der Stadt den Titel Europäische Hauptstadt der Wissenschaft (Capitale europea della scienza), der ihr im Jahr 2000 verliehen wurde. Ein Titel, auf den die Triester bis heute sehr stolz sind. Beinahe genauso stolz wie auf den Titel “Città del Caffè”, der unter den Ortsschildern prangt. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass man sich letztgenannten selbst verliehen hat.  

Foto: TU Graz 

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