Brot im Sport. Diätologin Manuela Konrad im Interview

40 Plus Magazin Juli 21

Welche Rolle spielt Brot in der Ernährung eines Sportaktiven?
Konrad: Eine große! Der Kohlenhydratbedarf liegt beim allgemeinen Ernährungsbedarf bei circa 55-60 % der Gesamtenergiezufuhr, ist jemand sportlich aktiv, ist der Kohlenhydratanteil dementsprechend höher. Es sollten Vollkornbrote dominieren, vor der Belastung werden aber ballaststoffärmere Produkte, wie Mischbrot oder Weißmehlprodukte, besser vertragen.

Welche Sorte empfiehlt die Expertin beim Ausdauersport z. B. im Bereich Marathon? Ist die Honigsemmel beim Frühstück eine gute Idee oder nicht?
Die Honigsemmel (mit wenig Butter) ist vor einem Marathon oder einem Training eine gute Idee, auch nach der Belastung bietet sich ein Brot an, dann aber mit Eiweiß, z. B. Käse, Buttermilch oder Joghurt. Beliebt während der Belastung sind Weißbrot und Kipferl, die Kaubelastung sollte eher gering gehalten werden. Unter Belastung ist unser Körper wesentlich sensibler und Lebensmittel, die im Alltag problemlos sind, können plötzlich zu Irritationen führen, unter anderem da im Sport ja sehr viel Blut in der Peripherie ist.

Was sollte man in Bezug auf Brot als Sportler vermeiden?
Schlechte Qualität, Backwaren aus tiefgefrorenen Teiglingen. Wenn es um 14 Uhr nach frischem Brot im Supermarkt riecht, sollte man mehr als skeptisch sein. Und zurückhaltend.

Was halten Sie vom Trend des Low Carb Brots im Sport?
Salopp formuliert: Wozu? Was ist das übergeordnete Ziel? Gewichtsstabilisation? Dann wäre mein erster Ansatz nicht beim Brot. Eiweißreiches Brot ist meist fettreicher und dementsprechend energiereicher. Es hat eine andere Textur als Brot aus Getreide und schmeckt nur kurz „frisch“. Meine Empfehlung wäre – wenn kaltes Abendessen erwünscht ist – ein klassisches Vollkornbrot und dazu ein Salat mit einer Eiweißkomponente.

Manuela Konrad, ist Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Sporternährung (ÖGSE) und lehrt an der FH JOANNEUM

Fragen & Interview: Martin G. Wanko

Bild: FH JOANNEUM / Miriam Weiß