Im Sinne der Heiterkeit

Martin Wanko

Mit der Heiterkeit ist es so eine Sache.

Entweder man ist heiter oder nicht. Es ist eine Neigung, vielleicht auch festgelegt im Charakter. Manchmal eher seicht gehandelt, fängt Axel Hacke mit seinem Essay „Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte“ (Dumont Verlag, 2023) genau auf dieser Ebene an, beim Quiz „Heiteres Beruferaten“. Die Generation 40 plus müsste es noch kennen, das Quiz von Robert Lembke, wo aberwitzige Berufe erraten werden sollten und dem deutschen Vorabendprogramm ab 1961 eine professionelle Heiterkeit schenkte. Ab nun umkreist der Autor das Thema, durchaus mit historischem Background, und das sehr hartnäckig, wie ein Haifisch und ist dabei so schlau wie ein Fuchs, der gerne dort hineinschaut, wo sich die Widersacher der Heiterkeit verstecken: In den großen und kleinen Katastrophen, die es zu meistern gilt und galt und uns vor Angst erstarren lassen: Von der Pandemie, bis zum Ukraine-Krieg – ich glaube, man darf im Sinne des Autors auch den Nahost-Konflikt hinzufügen. Durchaus schmerzlich auch Hackes Gedanke, dass die Klimakatastrophe jeglichen Fortschritt in Frage stellt, der seit der Industrialisierung gemacht wurde, dementsprechend stark auch der Widerstand gegen Änderungen. Hier sei vielleicht auch noch angemerkt, dass der grundsätzlich mieselsüchtige Österreicher durchaus als Gegengift jeglicher Heiterkeit und einer gewissen positiven Weltanschauung zu sehen ist. Jedoch könnte man zynisch feststellen, dass Helmut Qualtingers „Herr Karl“ seine NS-Vergangenheit ohne Heiterkeit nicht verarbeiten hätte können, oder dass Qualtingers zynische Heiterkeit einen kollektiven Nachdenkprozess über die NS-Zeit in Österreich erst auslöste.

Der heitere Quartalsfleischwolf

Sich Gedanken über die Heiterkeit zu machen, muss eben nicht im Lächerlichen enden, sondern soll durchaus nachdenklich machen, ein Stück Heiterkeit lässt sich laut Autor auch erarbeiten. Also nicht die Flinte ins Korn werfen, sich nicht dem Schicksal beugen, sondern innere Kräfte entwickeln. Sonst gewinnen immer die Falschen. So ist es und Hacke hat recht. Also mündet alles in eine elementare Frage: Soll man sich in Zeiten wie diesen noch Heiterkeit gestatten? Hackes Antwort fällt erwartungsgemäß gut aus: „Yes, we can!“ Heiter ist auch, dass ein zumindest mir neues Wort präsentiert wird, dass das Leben durchaus elastisch und entspannt machen kann: Den Flexitarier und die Flexitarierin. Fünf Tage Grießschmarren und Erbsenreis, dafür zwei Tage Vollgas Fleisch und dazu noch alles andere, was gut schmeckt und ungesund ist, in den Schlund stecken. Heiter gesagt wird dann aus dem Quartalssäufer von seinerzeit der Quartalsfleischwolf von heute.

Also immer flexibel bleiben, im Grunde gut und manchmal ein bisserl böse.

Ihr Martin G. Wanko,
Chefredakteur

Text: Martin G. Wanko
Foto: Clarissa Berner

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