Nachhaltigkeit ist machbar, Herr Nachbar!

Editorial 40Plus Magazin

Einmal musste es ja soweit kommen. Ich ging nicht nach Hause, sondern bog links ab. Da stand ich nun vor dem Rad-Shop meiner Wahl. Versprochen hab ich’s dem guten Bernhard schon vor sieben Jahren, aber jetzt habe ich es wirklich gemacht, mir bei ihm ein Fahrrad besorgt. Jetzt aber ein feines, altes Vehikel, kein neuartiges Monster. Ein Puch Clubman, so eines, das man vor 40 Jahren hatte, um cool zu sein. Im ersten Moment schaut es aus, als hätte es jemand einmal in den Schuppen gestellt und nicht mehr rausgeholt, aber der Spezialist erkennt auf den ersten Blick, original Sattel, Lenkrad und so weiter. Das Schönste daran ist, ich habe es in der Stadt bei einem Kumpel gekauft, ich fahre jetzt mit altem Stahl herum, also super nachhaltig und das jeden Tag zur Arbeit und nach Hause. Mehr nachhaltig geht glaube ich auf diesem Sektor gar nicht. Und gleich die Idee: Wir fahren alles, was unter 10 km ist, mit dem Rad. Geht das?

Zugegeben, noch vor nicht ganz sooo langer Zeit sang ein gewisser Konstantin Wecker in seinem Willy, dass etwas schiefläuft, wenn die Schickeria ihre Porsche gegen 2CVs eintauscht. Heutzutage behaupte ich das Gegenteil! Bitte Schickeria, tauschts doch Porsche gegen Fahrrad, es zahlt sich aus. Jetzt von mir aus ein ganz ein Flottes und Tolles, damit ihr ja erster seid, fahrts mir damit um den Schädel, klingelts mich wie deppert an, aber gebts den Porsche weg. War eine lustige Sache, das mit dem Sportwagen, aber bringt nix mehr, wird man eh überall schon schief angeschaut, wenn das Chrome blitzt. Kaufts euch das neue Bianchi, wenn KTM schon zu herkömmlich ist, mit einem anständigen Carbon-Rahmen, schaut eh auch voll gefährlich aus, und überhaupt. Nicht nur bei Tischtennisschläger lässt sich das Label ganz nach oben schrauben. Es gibt halt leider (noch) kein Porsche-Fahrrad. Die Autoindustrie hätte hier so und so einen dringenden Nachholbedarf, denn noch sind keine Fahrräder von Automobil-Giganten im Handel. Das eine muss ja das andere nicht ganz ausschließen.

Guten Tag, mein Name ist Fisch und ich hätte auch gerne ein okayes Leben, bevor ich zu Ihnen in die Bratpfanne hüpfe. Schaut für Sie ja auch mehr dabei heraus! Geht das? — Fast schon exemplarisch lässt sich beim Fisch zeigen, wo es happert und wo nicht. Zugegeben, die große Frage, wie wir das mit einer nachhaltigen Welternährung unter einen Hut bringen, kann nicht in einem Heft gelöst werden, aber wie wir es angehen können, servieren wir Ihnen gerne. Denn wenn es nicht bei uns funktioniert, wo dann? Dazu kann man auch gerne genüsslich grantig sein, für diesen Part haben wir Frido Hütter eingeladen, der uns das Leben im niemals enden wollenden Herbst erklärt.

Text: Martin G. Wanko
Bild:Florian Lierzer