Betonbauteile aktivieren – fossilfrei heizen und kühlen

Beton © Norbert Mayr

Die Energiepreise für Haushalte in Österreich steigen massiv. Das innovative Konzept der thermischen Bauteilaktivierung zeigt, wie das Heizen und Kühlen von Gebäuden ganz ohne fossile Brennstoffe und mit beträchtlichen Kosteneinsparungen möglich ist.

Die Energiepreise in den österreichischen Haushalten sind im Jänner, im Vergleich zum Dezember 2022, um 13 % gestiegen. Im Jahresvergleich macht die Steigerung sogar 41 % aus. Raus aus Öl und Gas sowie der Ausbau von erneuerbaren Energiequellen sind daher wichtige Meilensteine einer längst fälligen Energiewende. Das innovative Konzept der thermischen Bauteilaktivierung beim Heizen und Kühlen von Gebäuden kann ein wichtiger Bestandteil dieser Wende sein. Bei der thermischen Bauteilaktivierung werden Rohre in Betonbauteile eingebaut, durch diese wird je nach Bedarf bzw. Jahreszeit warmes oder kühles Wasser geleitet.

»Thermisch aktivierte Betonbauteile werden zur Temperaturregelung eingesetzt. So geben sie im Winter Wärme ab und im Sommer nehmen sie diese auf – damit wird über das ganze Jahr hindurch für eine angenehme Raumtemperatur gesorgt«, erklärt Sebastian Spaun, Vorstandsmitglied von Beton Dialog Österreich und Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ).

Spaun ©DERFRITZ
Sebastian Spaun
Vorstandsmitglied von Beton Dialog Österreich und
Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie Bild: © DERFRITZ
Beton © Daniel Hawelka
Wohnhausanlage Käthe-Dorsch-Gasse, eröffnet im Herbst 2022. Bild: © Daniel Hawelka
Beton
Energiespeicher Beton

Beton als Energiespeicher

Aufgrund der hohen Wärmeleit- und Speicherfähigkeit eignen sich Geschoßdecken aus Beton für die thermische Bauteilaktivierung besonders gut. Dass die thermische Bauteilaktivierung mit der Betondecke auch für den Wohnbau optimal geeignet ist, hat die VÖZ im Rahmen eines langjährigen Innovationsschwerpunkts mit Forschung und Entwicklung sowie Demonstration und Monitoring herausgefunden. Im Fokus dieser Aktivitäten stand die Kombination der thermischen Bauteilaktivierung mit erneuerbaren Energiequellen, wie Wind, Sonne und Erdwärme. »Sogar an sehr kalten Tagen muss das zirkulierende Wasser nicht wärmer als 30 Grad sein. Gerade deshalb kann die thermische Bauteilaktivierung beim Heizen und Kühlen erneuerbare Energiequellen hervorragend nutzen«, so Spaun.

Konstante Raumtemperatur gewährleistet

Erneuerbare Energien stehen jedoch nicht konstant zur Verfügung. Die thermische Bauteilaktivierung begegnet dieser Herausforderung nach einem einfachen Prinzip: Ist überschüssige Sonnen- oder Windenergie verfügbar, wird diese direkt oder mithilfe einer Wärmepumpe in den Betondecken eingelagert, diese werden dann um 2 bis 3 Grad Celsius erwärmt. Sinkt die Temperatur im Raum, gibt die thermisch aktivierte Betondecke die Energie an den Raum gleichmäßig ab. So funktioniert das System selbstregulierend. Im Zuge von Demonstrations- und Monitoringprojekten wurden über mehrere Jahre zahlreiche Messungen durchgeführt, die eine hohe Temperaturkonstanz im Innenraum zeigen. Befragungen offenbaren, dass diese mit hohem Komfort erlebt wird.

Erfolgsversprechende Technologie

Mittlerweile entstehen in Österreich zahlreiche Wohnbauprojekte mit thermischer Bauteilaktivierung. Bereits im Herbst 2019 wurde im 22. Wiener Gemeindebezirk die innovative Wohnhausanlage MGG22 mit 155 Wohnungen eröffnet. Dort kam die Aktivierung von Betonbauteilen zum Heizen und Kühlen, gekoppelt mit Wärmepumpen, Erdsonden und Windenergie, erstmals im sozialen Wohnbau zum Einsatz. Vor Kurzem wurde das Wohnbauprojekt in der Käthe-Dorsch-Gasse in Wien-Penzing fertiggestellt – auch dort ist die Bauteilaktivierung mit Wärmepumpen kombiniert.

2 bis 3 Euro pro Quadtratmeter und Jahr

Für die thermische Bauteilaktivierung fallen kaum höhere Baukosten im Vergleich zu herkömmlichen Heiz- und Kühlsystemen an. Die Einsparungen bei den Energiekosten können aber beträchtlich sein. So belaufen sich Heiz- und Kühlkosten auf ca. 2 bis 3 Euro pro Quadratmeter und Jahr – eine Win-win-Situation für Bewohner, unsere Energienetze sowie die Klima- und Energieziele. Damit leistet die thermische Bauteilaktivierung einen wesentlichen Beitrag, im Bereich Raumwärme auf fossile Energieträger gänzlich verzichten zu können und gleichzeitig leistbaren Wohnraum zu bieten.

Beton Dialog Österreich (BDÖ) ist eine Interessensgemeinschaft von Zement-, Betonfertigteil- sowie Transportbetonherstellern in Österreich. Ziel des BDÖ ist es, die Bedeutung des kreislauffähigen Baustoffs Beton für umwelt- und klimagerechtes Bauen sowie die bisher erreichten Fortschritte der Branche bei der CO2-Reduktion in der Öffentlichkeit zu verankern.

Mehr Informationen:
www.betondialog.at

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