Der Läufer schickt das mitteleuropäische Hängebauchschwein in die Wüste.

Vom MarlboroMann zum MarathonMann – Part III

Audience! Freunde des erlesen Geschmacks. Das Warten hat sich gelohnt! Nach einem Jahr kommt es nun zum 3. und letzten Teil des amazing running Wankoman. Nach wie vor gilt: Wer zum Laufen beginnt, kommt nie zu spät.

Ich glaube, dass Läufer im Grunde einsame Hunde sind, mit sich ganz gerne alleine, und ein Marathon eine Massenveranstaltung ist, in der unzählige Menschen etwas für sich alleine tun. Ein paradoxes Massenphänomen sozusagen. Egal, an Laufveranstaltungen denke ich erstmal nicht. Jeden Tag ein paar Meter mehr laufen, das ist mein erklärtes Ziel und auch das meiner Lunge.

Nach dem ersten Schritt kommt der zweite und dann ganz viele!
Einen Monat später packt mich mein Ehrgeiz und ich laufe eine doppelte Stadtparkrunde! Der geübte Läufer kann jetzt lachen, aber ist es nicht jedem zu Beginn so gegangen? Na eben. Zu Hause wird mein Laufen langsam ernst genommen. Was ein Monat andauert, das sollte man sich mal genauer anschauen. Unsere Tochter findet die Situation nicht unwitzig: Vater macht Sport und meine Frau ist zufrieden, dass ich einen Ausgleich gefunden habe, der eben nicht super zeitaufwändig ist und hat berechtigte Hoffnung, dass ich einmal nicht wie das „mitteleuropäische Hängebauchschwein“ ausschauen werde.

Alles ist super, solange man den Arsch hochbringt.

Jedoch ist es vor allem eines, und da bin ich meiner Familie und auch meinen Freunden unheimlich dankbar: Über mich macht sich beim Laufen keine Sau lustig. Dazu schließe ich neue Bekanntschaften. Am liebsten habe ich die Frauenrunde, die jeden Morgen im Stadtpark ihre Hunde Gassi führt, die rüstigen fünf Rentner, die ihre Möpse spazieren führen, oder die Stadtgärtner, die jeden Morgen den Park vom Müll befreien. Wir grüßen uns kurz im Vorbeilaufen, aber prinzipiell sind mir alle schnuppe, denn ich lerne, was ein Hormonrausch ist. Dieser Moment, der sich nach einigen Minuten Laufen einstellt, wo dir die Hormone in den Kopf schießen, das ist wie wenn Mutter Natur einen Champagnerkorken knallen lässt und ihn über dich ergießt. Wow und peng!

Die Qual oder das Glück des Läufers
Mit der Zeit kommt der Mut, ich vergrößere meine Runden und will kein Geheimnis mehr aus meiner neuen Leidenschaft machen. Show your Face! Am besten gleich durch die Herrengasse zum Hauptplatz und wieder zum Stadtpark zurück. Läufer schauen ja fürchterlich aus, die Qual ist ihnen ins Gesicht geschrieben, oder sie haben ein debiles Grinsen drauf, aber in sich sind sie glückliche, ausgeglichene Menschen.Sie laufen vor nichts weg, sie haben ein Ziel vor Augen und ist es auch „nur“ der nächste Kilometer und eine ausgelüftete Lunge und an das Rauchen denkt schon keiner mehr.

Text von Martin G. Wanko

Bild: iStock.com/chengyuzheng