Der Marathon-Mann und das dritte Glas!

Marathonmann
Leben ist gefährlich, aber ansonsten macht es keinen Spaß. Klingt vielleicht nicht sehr gescheit, ist aber die nackte Wahrheit.

Leben ist gefährlich, aber ansonsten macht es keinen Spaß. Klingt vielleicht nicht sehr gescheit, ist aber die nackte Wahrheit. Dazu soll das Leben noch lebenswert sein, beziehungsweise bleiben. Im Idealfall nutzt man dazu jede freie Minute.

Dafür ist Laufen eigentlich kolossal. Man wechselt schnell das Gewand, zieht einfach die Laufschuhe an und es kann losgehen. Das befreit einen von Kilos und schenkt einem coole Gedanken. Zum Beispiel interessiert mich plötzlich, wo ich gerade laufend den Grazer Stadtpark verlasse, was denn aus den Wrigley‘s-Kaugummis geworden ist. Jetzt ohne, dass man Google bemüht. Ich glaube ganz einfach, die sind sang- und klanglos abgestürzt und vom Markt verschwunden. Wahrscheinlich war der Zuckergehalt zu groß für die heutige Zeit und das Streifenformat nicht mehr populär. Ich habe sie zumindest nicht mehr an der Tankstelle gesehen. Dazu kann ich mich noch an einen ausgeleierten Kiefer erinnern, wenn man noch einen zweiten in den Mund steckte. Ewig kauen macht müde. Und schon laufe ich weiter, bin schon gleich an der Mur!

Lucky raucht nicht mehr.

Heutzutage laufe ich ohne Zeitnahme. Ich habe ziemlich lange für die Einsicht gebraucht, dass ich eigentlich immer mein Schnellster bin. Mich kann keiner überholen und zugleich ist keiner langsamer als ich. Der einzige, der so schnell läuft wie ich, ist mein Schatten. Wo wir nun bei Lucky Luke sind, der bekanntlich auch nicht mehr rauchen darf, was sehr gut ist. Er hat mittlerweile einen Strohhalm im Mundwinkel und keine Selbstgedrehte mehr. Zugegeben, eine gewisse Fingerfertigkeit fehlt nun. Lucky drehte die Zigarette mit einer Hand und brachte das Streichholz mit einer einzigen Bewegung zum Brennen. Daneben konnte er noch reiten, wirklich ein Genie. Keine Ahnung, was er nun mit dem Strohhalm macht. Würde Lucky Wein trinken, würde er wahrscheinlich nach dem 3. Glas aufhören. Das dritte Glas soll entscheiden, wohin die Reise geht. Ausgezeichnet, wenn man sich daran hält, nicht mehr als drei Gläser zu trinken, denke ich und laufe mittlerweile die Mur entlang. Andererseits bleibt einem die andere Seite verschlossen, wenn man nach dem dritten Glas innehält. Wie gesagt, das ist sicherlich vernünftig, aber wie gerne ist man schon vernünftig, denke ich und zockle brav die Mur entlang.

GZSZ – waren das noch Zeiten.

Graz wurde in den letzten Jahren ziemlich zugebaut, denke ich mir jedes Mal, wenn ich an der Mur laufe. Jedesmal scheinen einige Quadratmeter mehr Grünfläche dem Beton zum Opfer zu fallen. Dem Gefühl nach scheinen die Neubauten auch nicht sehr nachhaltig zu sein. Gleich wie „die Prachtbauten“ der letzten Jahre, wo metallene Versatzstücke rosten und gläserne Balkonwände einen algig grünen Film bekommen. Die waren doch einmal blank poliert, sodass man sich drinnen spiegeln hätte können. Heute schauen sie auch, als hätten sie eine Krankheit. Manche Dinge hat man jedoch besser in Erinnerung als sie tatsächlich waren. Die Gesichter der GZSZ-Serie zum Beispiel. Das war gemein, okay, kann niemand was dafür, wie er heute aussieht. Ansonsten? Die Autos vor 20 Jahren waren auch nicht mehr ästhetisch reizvoll. Schöne Autos baute man im letzten Jahrhundert. Damals wurde auch mehr getrunken als heute. Wahrscheinlich haben die Autodesigner mehr als das dritte Glas getrunken, um so schwungvolle Autos zu designen. Jedoch war man wahrscheinlich sehr nüchtern, als die Form der Funktionalität wich und zugleich immer billiger produziert wurde und wird. Alfa Romeo darf seinen E-Alfa nicht „Milano“ nennen, da das Auto bis zu seiner Fertigstellung noch nie italienischen Boden berührt hat, sondern in Polen gefertigt wird, denke ich mir beim Laufen und komme langsam wieder in die Gründerzeitgegend zurück, wo Prachtstraßen tatsächlich noch Prachtstraßen waren. Vielleicht hat man damals auch schon gesagt, die Häuser sind hässlich. Oder man hat doch ein drittes Glas und dazu noch einen Absinth getrunken, weil sie so geschmackvoll wurden. Das lässt sich heute aber nur noch selten eruieren.

Text: Martin G. Wanko

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